Winter 2012 – 2013

Route
Mexiko – Belize – Baja California – USA (Süd)

17.12.2012 Peninsula de Yucatán, Mexiko
Wir warten in Frankfurt auf unseren Eincheck- diesmal gönnen wir uns etwas mehr Comfort und haben die „Premium Class“ bei der Condor gebucht, da die Sitzabstände in der „Holzklasse“ dermassen eng sind, dass selbst wir uns im Mai auf dem Hinflug dazwischenquetschen mussten. Zu unserer grossen Überraschung gibt es für uns ein Upgrade in die Comfort Class!

Bei 12 Stunden Flugzeit sehr angenehm. So steigen wir bei unserer Ankunft in Cancun sehr relaxt und erholt aus. Unser Freund Martin holt uns sogar vom Airport ab und der Toyo steht wohlbehalten vor seinem Haus. Nach 2 Tagen in Cancun, die wir mit Martin & Familie verbringen, verholen wir uns auf den örtlichen Campingplatz, um ein paar Dinge, die wir aus Deutschland mitgebracht haben, anzubauen. So langsam gewöhnen wir uns wieder ans „Bordleben“ – das Wetter ist perfekt – 28 Grad und Sonne, so dass wir es erst einmal gemütlich angehen lassen.

Wir machen uns auf den Weg nach Valladolid und besichtigen unsere erste Cenote. Cenotes sind mit Süsswasser gefüllte Höhlensysteme, die nur auf der Yucatán Halbinsel vorkommen. Sie wurden früher von den Mayas als Wasserreservoir und Kultstätten benutzt. In viele kann man hineinsteigen, schwimmen oder tauchen. Ein Teil ist touristisch erschlossen – andere liegen noch wunderbar unberührt und versteckt im Dschungel. Die Cenote Zaci liegt zum Beispiel mitten in der Kleinstadt Valladolid und ist am Wochenende eine Art örtliches Schwimmbad. Da sie nach oben hin geöffnet ist, entstehen tolle Lichtverhältnisse.

Uns zieht es aber doch ans Meer gen Norden in das Flamingoreservat Rio Lagartos. Die Flamingos haben eine fast rosa fluoreszierende Farbe und sehen irgendwie unwirklich aus – speziell im Sonnenuntergang. z.Zt. halten sich dort nur einige Hundert auf, da sie sich zwischen November bis Mai an die Westküste verziehen. Wir finden völlig menschenleere Strände vor und geniessen die Ruhe. Abends gehen wir unserer „normalen“ Tätigkeit nach und grillen Fisch oder Lobster!

Unser nächstes Ziel Rtg. Merida ist Izamal mit einem riesigen Convent im Zentrum und den üblichen Mayaruinen bzw. Pyramiden, die mitten im Ort liegen.

Auf einer Pferdekutschenfahrt erkunden wir den netten Ort und die Umgebung abseits des Touristenrummels, denn der Ort ist sehr ursprünglich geblieben. Dort betreibt der Österreicher Harald auf dem Gelände einer alten Hacienda das schicke kleine „Romantic Hotel Santo Domingo“. Ausserdem gibt es einige Stellplätze für Autoreisende – wir treffen gleich vier auf einen Schlag, die alle wild an ihren Autos schrauben. Auch wir nutzen die Gunst der Stunde und lassen uns in einer kleinen Tornoria von Pepe einen  Adapter drehen, so dass wir jetzt auch die mexikanischen Gasflaschen benutzen können. Am abendlichen Lagerfeuer bekommen wir von den anderen viele gute Infos, da sie sich teils recht lange bereits in Mexico befinden.

 

Schon ganz ungeduldig bereiten wir uns seelisch auf die historischen Highlights der Mayas vor. Die Halbinsel Yucatán ist gespickt damit. Unser erstes Ziel ist Uxmal südlich von Merida. Beeindruckende Ruinen mit einer allabendlichen Light & Soundshow. Da wir mit unserem Auto das grosse Glück haben, in der Regel abends bei den Sehenswürdigkeiten einzutreffen und vor Ort zu übernachten, sind wir morgens die ersten in den Ruinen, bevor ab 11 Uhr die Reisebusse anrollen. Uxmal (gespr.“Uschmal“) ist bekannt für seine vielen schönen Steinreliefs.

Unser nächstes Ziel ist Chichén-Itzá, die wohl grösste und touristischste Ruine. Die Bauten und Pyramiden sind gewaltig. Leider wird die Atmosphäre sehr gestört durch hunderte Andenkenstände in der Anlage selbst. Zum Glück sind wir die ersten Besucher, so dass sich die Souvenirverkäufer noch immer den Schlaf aus den Augen reiben. Im Anbetracht der Menschenmassen, die ab 11 Uhr hier eintreffen, suchen wir das Weite.

„Kulturbesessen – süchtig nach alten Steinen“ steuern wir das Dorf Cobá an. Wieder stehen hier wunderschön restaurierte Ruinen mit einer Pyramide, die sogar höher als die in Chichén-Itzá ist. Die Anlage befindet sich mitten im Dschungel und scheint eine Art Wallfahrtsort zu sein. Es haben sich einige unterschiedliche religiöse Gruppierungen eingefunden, in Rosa oder Weiss gekleidet, die mitten im Touristenrummel meditieren und singen.Die Stimmung ist mystisch, schon fast ein wenig skuril.

In allen Anlagen gibt es die berühmten Ballspielplätze der Mayas, die sich durch die steinernden Zielringe auszeichnen. Dem Spielführer der jeweils konkurrierenden Teams wurde nach Ende des Spiels der Kopf abgeschlagen. Bis heute ist noch nicht geklärt, ob es dem Gewinner oder Verlierer galt, in Ehre für einen der Götter zu sterben. Gottseidank ist man beim heutigen Ballspiel von diesem Brauch abgekommen!

Auf unserer Fahrt nach Tulum ins „Reserva de la Biosfera Sian Ka’an“ besuchen wir noch die auf dem Campingplatz XpuHa lebende ältere Dame Sigrid, um ihr die im Frühjahr versprochene Knorr Jägersosse zu übergeben. Uns trifft der Schlag. Eine Horde von kanadischen und deutschen Wohnmobilspiessern, die mit Mammutaufliegern den Platz in der Wintersaison seit vielen Jahren belegen, empfängt uns der selbsternannte deutsche Platzwart.

Nächsten Morgen flüchten wir in das o.g. Reservat. Wir finden in Punta Allen am Ende der schönen Halbinsel eine kleine Anlage „Costa del Sol“ mit Stellmöglichkeit für zwei Autos. Es gibt hier keinen Strom, aber da unser Solarpanel seit Neustem in alle Richtungen klappbar ist, gibt es keinen Energieengpass! Wir geniessen die wunderschön palmengesäumten Strände – Karibikfeeling wie aus dem Prospekt.

Wir verbringen sehr relaxte Tage mit Rudi & Rita, die mit einem LKW unterwegs sind. Ein Bootsausflug zu dem riesigen vorgelagerten Riff beschert uns ein Delfinpärchen mit Baby, grosse Meeresschildkröten und schöne Schnorchelgründe. Über Weihnachten und Neujahr werden wir bei unserem Bekannten Carlos an der Laguna Bacalar verbringen (der mit dem Hobie Cat), wo wir mit Bekannten aus dem letzten Frühjahr feiern werden – ganz abgeschieden ohne Strom und  Internet.

Nach Neujahr werden wir das Touristengebiet Yucatán verlassen und uns Rtg. Pazifikküste begeben. Unser Ziel für die nächsten drei Monate wird die „Baja California“ in Mexico sein.

Auf diesem Weg wünschen wir Euch allen ein „Frohes Fest“ und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!

08.02.2013 Belize
Nach 1,5 Wochen über die Weihnachts- und Neujahrstage, die weitgehend mit Hobie Cat segeln, Lösung von kleinen elektrischen Problemen an verschiedenen Autos (der Spannungsprüfer ist täglich im Einsatz!) und allabendlichen Lagerfeuern mit BBQ verbringen, verfliegt die Zeit. Der Hurrican im August hat für viel Feuerholz gesorgt, so dass unsere Motorsäge oft in Gebrauch ist. Wir sind jetzt doch sehr neugierig auf Belize geworden und beschliessen, mit Marcella & Peter zusammen das kleine Nachbarland zu bereisen.

Belize, ehemals „British Honduras“ (britische Kolonie), Landessprache Englisch, ist gerade mal 350 km lang und ca. 100 km breit. Es ist bekannt für seine schönen Naturreservate und seinen vorgelagerten Inseln (Cayes) und Riffe – nach dem Great Barrier Riff das zweitgrösste der Welt. Uns empfängt ein typisch karibisches und sehr ursprüngliches Land, in dem die Uhren eine ganze Ecke langsamer ticken als in Mexico. Die Bevölkerung ist weitgehend farbig (ehemalige afrikanische Sklaven), die Rastakultur und Bob Marley ist allgegenwertig und alle sind uns Touristen gegenüber ausnehmend freundlich und hilfsbereit!

Nach einer Übernachtung im Grenzort Corozal suchen wir uns ein paar schöne Strecken, um das Land abseits der bekannten Routen kennenzulernen. Das „Shipstern Naturreservat“ mit seinen gewaltigen Chiclebäumen ( frühere Kaugummigewinnung ) und das Schmetterlingshaus haben es uns angetan. Das Reservat wird privat verwaltet und hat sich vor allem zur Aufgabe gesetzt, die verbliebenen Mahagoniewälder zu schützen. Im Fischerdorf Sarteneja übernachten wir direkt am Meer mit einer kleinen vorgelagerten „Privatterasse“.

Am nächsten Tag geht es über die Menonitensiedlung Little Belize    (sehr konservative mit Pferd und Wagen) und  Orange Walk zur Mayaruine „Lamanai“. Dabei passieren wir wieder Menonitensiedlungen mit Namen wie Gnadental, Blumenfeld und Reinland. Für uns sieht es schon merkwürdig aus, wenn ganze Landstriche von einer Bevölkerungsgruppe bewohnt werden, die jede moderne Technik ablehnen und ihr Land erfolgreich wie vor 100 Jahren bestellen.

Lamanai (Mayasprache, bedeutet „untergetauchtes Krokodil“), mitten im Regenwald und an der New River Lagoon gelegen, entpuppt sich als wunderschön teilrestaurierte Anlage. Es war eine der wichtigsten sprituellen Mayatempelanlagen, die sich am längsten gegen die europäischen Eroberer behaupten konnte.

Unser nächstes Ziel ist das Reservat am Rio Bravo, in dem auch die noble Lodge „Chan Chich“ liegt. Das ganze Gebiet gehört der Familie Bowen, die das nationale Bier „Belikin“ herstellt. Wir dürfen nur nach einem Anruf in der Lodge und einigem guten Zureden die Schranke passieren. Bewaffnete Posten registrieren jede Person und jedes Fahrzeug, u.a. um dieses Gebiet vor Wilderern und illegalem Holzabbau zu schützen. Ausserdem liegt die grüne Grenze zu Guatemala nur wenige Meilen entfernt.

Auf dem Weg durch den Regenwald sehen wir Rehe, einen Tapir, wilde bunte Fasane und Pekaris (stinkende Wildschweinchen). In der Lodge wimmelt es von Kolibris, Spechten und eine grosse Anzahl von „Spidermonkeys“, die uns eine private Vorstellung hoch in den Bäumen liefern. Einer trägt sogar ein Junges unterm Bauch. Ein anderer verpasst bei der Toberei den angepeilten Ast – es geht erst einmal im freien Fall nach unten, bis er den 3. Ast zu packen bekommt. Affentheater vom Feinsten!

Statt einer luxuriösen Übernachtung in der wunderschönen Lodge ziehen wir unsere kargen Autos vor, da der Preis pro Bungalow bei 350 USD liegt. Man erlaubt uns trotzdem grosszügig, den sehr schönen Pool inkl. Whirlpool und die Faszilitäten zu benutzen. Als Gegenzug nehmen wir zu viert ein Dinner im schicken Restaurant ein – das kleine Loch in der Reisekasse ist nicht zu übersehen. Auf ausgedehnten Wanderungen durch den fantastischen Dschungel halten wir permanent Ausschau nach Jaguaren, Boas und Brüllaffen – nur der Jaguar bleibt uns vergönnt.

 

Unser nächster Stopp ist der Ort „Spanish Lookout“ (SL), eine Ansiedlung der modernen Menoniten. Hier können wir das erste Mal hervorragend im „Farmer’s Trading Centre“ einkaufen, bekommen sehr gutes Fleisch und Huhn aus natürlicher Haltung. Hans & Peter entschwinden im besten „Baumarkt“ mit geschätzten 100.000 verschiedenen Keilriemen an den Wänden. Seitdem sind beide stolze Besitzer eines Spannungsprüfers, mit dem man auch durchfliessende Ampére messen kann. Täglich wird der Nissan Patrol und unser Toyo auf Spannung geprüft – nur Marcella und ich werden verschont!

Nebenbei wird am Nissan, der immerhin 23 Jahre alt ist und mit liebevoller Schweisskunst fachmännisch von Peter (als Sport & Geografielehrer ja kein Problem!) für diese Tour präpariert wurde, eine Leckage am Schlauch der Servolenkung beseitigt. Dank der guten Werkstätten vor Ort kein Problem. Ausserdem liegt jetzt zusätzlich noch Gottes Segen darauf, so dass das Ding wahrscheinlich ewig halten wird. Der einzige Wermutstropfen in Spanish Lookout: es gibt nirgendwo Bier zu kaufen. Alles Antialkoholiker?? Später erfahren wir, das es rund um SL diverse versteckte private Bars und Shops gibt.

 

Unser Standplatz ist die sogenannte „Beach“, ein kleiner ruhiger mit riesigen Bäumen und grünen Wiesen umgebener Strand am Belize River. Vom Kayak aus können wir Tage später auf einer Tour riesige Iguanas (Echsen) in den Bäumen am Ufer beobachten.

Mit einer handbetätigten Seilfähre verlassen wir SL nach San Ignacio, dem Handelszentrum der Gegend, von wo aus wir unsere Tour zu den Ruinen von Caracol, planen. Sie liegen dicht an der Grenze zu Guatemala und können daher aus Sicherheitsgründen nur im Konvoy mit Militärbegleitung erreicht werden. Wir übernachten kurz vor dem Kontrollpunkt am „Rio on Pools“ und finden dort eine schöne Palapa vor, unter der wir trotz strömenden Regens grillen und sitzen können. Die Wasserfälle sind über Nacht deutlich reissender geworden – Peter’s Wildwasserfahrerherz schlägt höher!

Pünktlich um 9.30 startet der Konvoy, immerhin 3 Zivilfahrzeuge mit 6 Personen, zur einstündigen Fahrt zu den Ruinen. Auf unserer Frage, ob die Militärbegleitung wirklich notwendig ist, bekommen wir sehr wage Antworten. Es hat wohl in den letzten Jahren immer Mal wieder einen Banditenüberfall gegeben. Die Anlage selbst ist sehr beindruckend. Das schöne an ganz Belize: der Tourist tritt sehr vereinzelt auf – so ist auch hier ausser unserem kleinen Konvoy nichts los. Auf diesem Gelände sehen wir die bisher grössten und ältesten Bäume, die wir je zu Gesicht bekommen haben. Es handelt sich um die Ceibabäume, von denen einer leider gerade im Sturm einen Ast verloren hat. Ihr Alter liegt zwischen 400 und 700 Jahren!

Auf der Rückfahrt finden wir zufällig eine tolle steile Dschungelpiste nach Barton Creek, wo man über mehrere Meilen in eine Höhle paddeln kann. Dann heisst es „furten“ – alles wird hier geboten. Marcella zieht sofort ihre Shorts an – sie ist immerhin 1.80m gross und überprüft die Tiefe lieber persönlich zu Fuss.

Der Belize Zoo enstand in den 80’ern , nachdem der Film „Path of the Raingods“ mit Richard Foster in Belize gedreht wurde. Die zum Teil zahm gewordenen „Filmtiere“ mussten irgendwo untergebracht werden. Jetzt werden dort auch Tiere aus Privatbesitz abgegeben und aufgepäppelt, um sie gegebenenfalls wieder in ihr Umfeld zu entlassen. Vor einem halben Jahr fand man einen total verhungerten und kranken schwarzen Jaguar, der wieder zu einem Prachtkerl herangewachsen ist. Die schläfrigen Tapire, grosse Exemplare, stammen vom Pferd und Schwein ab – wie das zustande kam, bleibt uns bis heute ein Rätsel.

Als nächstes wollen wir Manatees sehen – Rundschwanzseekühe, die selten vorkommen (nur in Südmexiko, Belize und Florida sowie an der afrikanischen Küste). Sie gelten als Beweis, dass Afrika und Amerika mal ein zusammenhängender Kontinent war. Sie stehen unter Naturschutz und sehen schon ein bisschen eigenartig aus. An der Lagune in Gale Point heuern wir einen Einheimischen an, der uns zu dem Spot führt, an dem warme Unterwasserquellen sein sollen. Da tummeln sich die Manatees, aber leider ist das Wasser durch die vielen Regenfälle sehr trübe, so dass wir ausser dem Schnauben und den Nasenlöchern nicht viel zu sehen bekommen.

Unser Übernachtungsplatz bei Josef am Mullins River sieht traumhaft aus und wir kaufen fangfrischen Fisch direkt von den Fischern. Die folgende Nacht entpuppt sich leider als eine der schlimmsten unseres Lebens: durch das z.Zt. sehr feuchte Klima gibt es nach Einbruch der Dunkelheit Millionen von klitzekleinen Sandfliegen, die sogar durch unsere Moskitonetze passen. Sie piesacken uns die ganze Nacht und die Stiche jucken fürchterlich. Gerädert und unausgeschlafen beschliessen wir, fluchtartig hier zu verschwinden. Das Thema Insekten hat und wird uns noch heftig begleiten. Alles, was beisst und sticht, scheint uns aufzulauern – speziell die agressiven kleinen Feuerameisen fallen ohne Vorwarnung über uns her und verursachen brennende Bisse und Schwellungen. Alle Sprays versagen kläglich.

 

Im nahe gelegenen Ort Hopkins  soll es die beste Pizzeria Belizes. Wir können am Strand übernachten und die Pizza testen – wirklich super! Inkl. abendlicher Trommel- und Livemusik wird hier viel geboten. Auch hier verhindert der Regen und graue Himmel einen Boots- bzw. Tauchausflug auf die Cayes. Aufgrund der schlechten Wetterbedingungen beschliessen wir, direkt Punta Gorda, unseren südlichsten Punkt in Belize, anzusteuern. Wir besichtigen die kleine Schokoladenmanufaktur, gönnen uns ein Mittagssnack im Café einer amerikanischen Aussteigerin und ihr Rastaehemann gibt Marcella & mir eine private Trommelstunde auf seinen selbstgebauten Trommeln. Wir kaufen ihm einen Regenstab ab – die Trommel wäre im Auto doch etwas unhandlich!

In Ermangelung eines guten Stellplatzes für die Nacht fahren wir ins Grüne nach Blue Creek. Der Ortsvorsteher kommt abends noch zu unseren Autos, versorgt uns mit Infos und fragt uns, ob es in Deutschland Kamele gibt (da eines unsere Türen verziert).Unsere Antwort: zweibeinige gibt es schon ein paar, aber die mit 4 Beinen stehen alle im Zoo. Am nächsten Morgen klettern wir über rutschige grosse Felsen bis zu einem haushohen Höhleneingang, aber hineinzuschwimmen ist uns dann doch zu unheimlich und vor allem kühl.

Zurück im Norden besuchen wir das „St.Tropez“ Belizes, den Badeort Placencia auf der gleichnamigen Halbinsel. Wir essen das beste Eis unseres Lebens – im Eissalon „Tuttifrutti“, der von Italienern seit 10 Jahren betrieben wird. Selbst nach dem Frühstück am nächsten Tag gehen wir vor der Abfahrt nochmal ein Eis essen. Als nächstes Ziel suchen wir uns den „Five Blues Lake National Park“ aus – die Tour stellt sich als Herausforderung an die Navigation und Schlammtauglichkeit der Fahrzeuge heraus. Wir landen in einer Sackgasse und finden die Einrichtungen des NP seit Jahren ungenutzt.

 

Wir haben wieder das Glück einer überdachten Palapa und und die „Feuerteufel“ von Belize bereiten sofort ein zünftiges Lagerfeuer vor. Dies ist unter dem Dach möglich und nötig, da sich die Moskitos in Scharen auf uns stürzen. Am nächsten Morgen erkunden wir die Umgebung, müssen aber feststellen, dass wir Mühe haben, unsere Crocs wieder aus dem Schlamm auszugraben. Ein naher Fluss dient zur Grundreinigung, da wir doch in der Zwischenzeit eine leichte Ähnlichkeit mit Erdferkeln aufweisen.

Auch wenn wir nicht viel Lust auf die Stadt Belize (60.000 EW) haben, lohnt sich ein Abstecher. Bunte Holzhäuser & Villen stehen im Kontrast zu den Slumvierteln – die Blütezeit hatte die Stadt z.Zt. der Engländer und Abholzung der Mahagoniebäume. Der Sage nach wurde die Stadt auf Holzspänen und leeren Rumflaschen der Holzfäller erbaut. Wir schlafen einige km ausserhalb auf dem Gelände einer Marina, die gut bewacht wird. Die Zeit mit Marcella & Peter geht langsam dem Ende entgegen – wir verbringen noch eine gemeinsame Nacht in einem kleinen Reservat – die Krokodilen in der Lagune sind unsere Nachbarn. Dann heisst es Abschied nehmen – für uns geht es zurück nach Mexiko. Die beiden wollen weiter nach Guatemala. Es ist das erste mal, dass wir so lange mit anderen Travellern unterwegs waren. Es passte einfach und es gab immer etwas zu „schnacken “ und zu messen.

 

Wir fahren in einem Rutsch zurück an zur grenznahen Stadt Corozal, um dort den dort lebenden Kanadier Don aufzusuchen. Nach der Einreise haben wir ihn kurz kennengelernt. Wir haben das Glück, auf seinem grossen Grundstück direkt am Meer stehen zu können. Wir führen interessante Gespräche, denn die Familie sind gläubige Baptisten. Durch seine Beziehungen im Ort bekommen wir einen Adapter, damit unsere beiden Gasflaschen neu befüllt werden können.

 

Last noch least stellt er uns Bahar vor, einen Türken, der das beste Restaurant des kleinen Ortes betreibt, das „Corozo Blue“. Witzigerweise hat er vor mehr als 10 Jahren in unserer Nähe in Selimiye ein Restaurant betrieben und will uns eventuell diesen Sommer besuchen.

Zurück in Chetumal ist erst einmal grosse Wäsche angesagt – Auto, Polster etc. Alles hat es dringend nötig nach 4 Wochen tropischen Wetterbedingungen und diversen Schlammschlachten. Herausragend war für uns die Freundlichkeit der Menschen in Belize – einfach „Cool Man“!

Morgen geht es ein letztes Mal nach Cancun, um unsere Rückfahrkamera, die uns unser Freund Martin aus Miami mitbringt, abzuholen. Dann schaffen wir es vielleicht, doch der Baja California näherzukommen. Wie ist es mit dem Reisen: „Der Weg ist das Ziel!“

12.03.2013  Santa Maria del Tule (Oaxaca)
Auf dem Weg nach Cancun legen wir noch einen Zwischenstop bei unseren Freunden Carlos & Kristina (Laguna Bacalar „Camping Azul“) ein – Hans übernimmt für einen Abend die Restaurantküche, Kristina wird mal bekocht und bewirtet und wir feiern zusammen ihren Hochzeitstag! Am nächsten Morgen verabschieden wir uns schweren Herzens. Martin & Rückfahrkamera sind inzwischen eingetroffen.

Wir/ Bente nutzt gleich die Gelegenheit, auf Martin’s kleiner Segelmachernähmaschine ein paar Modifikationen am Aussenzelt und Sonnensegel vorzunehmen. Da wir die exklusive Cancuner „Hotelmeile“ noch nicht kennen, besuchen wir Martin an seinem Arbeitsplatz – den Riu-Hotels, für die er als Manager die Wassersport- und Spaabteilungen leitet. Auf seinen Wunsch hin spielen wir mal „Spion & Tourist“ – wir sollen uns eine gute Massage gönnen und mit präparierten Dollarscheinen bezahlen.Test, Test, Test…Alles wird zur vollen Zufriedenheit korrekt abgewickelt. Man kann sich vorstellen, dass in solchen riesigen Komplexen immer mal was nebenbei läuft. Uns hat der Test jedenfalls sehr gut getan. Auch hier verabschieden wir uns schweren Herzens – der herzliche Familienanschluss und die Hilfe von Martin & Paula werden wir sicherlich ab und an vermissen!

Auf dem Weg von Campeche nach Palenque stellen wir kurz vor Dunkelwerden fest, dass sich unsere Keilriemen verabschieden. Der Gedanke, manövrierunfähig an einer Durchgangsstrasse zu stehen und übernachten zu müssen, behagt uns nicht, so dass wir uns mit Stirnlampe sofort an die Arbeit machen. Mit dem Fischrestaurant nebenan treffen wir eine Abmachung, dass sie uns nach der Aktion ein gutes Dinner präparieren (in Mexico schliessen die Restaurants sehr früh). Gottseidank passen alle im Gepäck vorhandenen Keilriemen!

Über Palenque, wo wir schon mal waren, hören wir noch einmal den Brüllaffen zu. Wir beschliessen, durch ein recht abgelegenes Mayagebiet zu fahren – dort leben die Mayas noch sehr traditionell. In diesen Ejidos (= vom Staat zugesprochenes Land/ Reservat) gibt es keine Autos, oft keinen Strom und daher auch keine Satellitenschüsseln. Sie sind uns gegenüber sehr misstrauisch und es gelingt uns nicht, in zwei Dörfern eine Übernachtungsgenehmigung zu bekommen.

Wir verstehen sie zum Teil auch, da sie von Grossgrundbesitzern um ihr Land gebracht werden – teilweise auf sehr brutale Weise. Wir können uns kaum mit ihnen verständigen, da sie eine eigene Sprache sprechen. Auch unsere Hinweise, dass wir keine Missionare sind, überzeugt sie nicht. So müssen wir unsere eiserne Regel brechen, nicht im Dunkeln zu fahren. Zum Glück passieren wir nach weiteren zwei Stunden einen grossen Militärstützpunkt, an dem sie uns freundlich empfangen und übernachten lassen. Bewacht von 50 Soldaten schlafen wir hervorragend.

Nach zwei weiteren entspannten Reisetagen erreichen wir die schöne Kolonialstadt San Cristobal de las Casas – sie war Hauptstadt des Zapatistenaufstandes 1994 ( Zapatisten: Globalisierungsgegner, die für die Rechte der indigenen Bevölkerungsteile eintreten, u.a. die immer wiederkehrende Vertreibung von dem ihnen zugewiesenen Land durch Paramilitärs).

Auf 2100 mtr. Höhe wird es nachts doch empfindlich kalt. Morgens müssen wir mit Erstaunen feststellen, dass unser Auto nur sehr zögerlich anspringt, dann aber einwandfrei läuft. In den letzten Wochen fiel uns bereits auf, dass er ab und an doch etwas widerspenstig ist. Hans Vermutung bestätigt sich später: die Vorglühvorrichtung funktioniert nicht mehr. Zum Glück treffen wir einige Tage später den „Wunderheiler“ Gerhard, gelernter KFZ Meister und ebenfalls mit einem HZJ 78 unterwegs. Mehr dazu später.

Auf dem Weg zur Küste gucken wir uns bei Tuxtla den imposanten „Canon del Sumidero“ an, der an manchen Stellen 1000 m tief ist.

Trotz der schönen Natur müssen wir in die Wärme, denn der Toyo springt immer schlechter an. Bei unserer Suche nach einem schönen Übernachtungsplatz hinter Salina Cruz finden wir die Playa „Palmar de Jonas“, ein Strand wie im Bilderbuch!

Die  einzige  Fischerfamilie betreibt ein kleines „Restaurant“ mit einem holzbefeuerten Lehmofen. Ansonsten, soweit das Auge reicht, sauberer Sandstrand und keine Menschenseele (30 km!). Wir haben schnell „Familienanschluss“, zumal Hans mit unserer Motorsäge eine grosse Ladung Hartholz für den Ofen in handliche Stücke verwandelt.

Am nächsten Tag wird noch das defekte Solarpanel repariert – alle sind zufrieden und happy. Abends geniessen wir den toll zubereiteten Fisch aus dem Ofen und die Ruhe! Nach 3 Tagen müssen wir uns verabschieden, da unsere Getränkevorräte zur Neige gehen. Unser nächster Besuch fällt mit Sicherheit länger aus – solche paradiesischen Ecken findet man kaum noch! GPS Daten werden nur an ausgewählte Personen weitergegeben!!

In Huatulco, einem auf dem Reissbrett völlig neu entstandenen Ferienzentrum, treffen wir auf einen anderen Toyo mit Hochdach – das erste Mal. Besagter KFZ Meister Gerhard mit Frau Uli & Terrier Charly. Nachdem wir uns näher kennenlernen, wird die Motorhaube sofort geöffnet und beide Köpfe verschwinden für eine ganze Weile. Gerhard bestätigt unseren Verdacht – die Vorglühanlage bekommt keinen Saft!

Von wegen – eben nur die Sicherung wechseln – sie ist trotz Reparaturhandbuch nicht zu finden. Nur nach einer hilfesuchenden e-mail an „Tom’s Fahrzeugtechnik“ ist das Rätsel geklärt: es gibt zwei kurze Kabelstücke, die als Sicherung fungieren. Das Tückische: man sieht ihnen von aussen nicht an, dass sie durchgebrannt sind! Das System wird fachmännisch geändert, indem wir eine „vernünftige“ Sicherung einbauen. Als kleine Kompensation macht Bente eine Schablone für eine Regenpersenning, die dann sofort bei einem Autosattler unter den kritischen Augen von Bente & Uli angefertigt wird.

Nach einem guten Abendessen kann ich Gerhard dann doch überreden, den demnächst fälligen Wechsel des Zahnriemens vorzunehmen. Das ist schon eine etwas tricky Angelegenheit! Hierbei zeigt sich die langjährige Erfahrung Gerhards, von der ich profitieren kann! Am Nachmittag treffen Marcella & Peter, die von Belize aus eine Rundtour durch Guatemala gemacht haben, mit ihrem Nissan ein. Auch er hat ein Problem: eine defekte Zylinderkopfdichtung.

Gerhards Diagnosekenntnisse sind wieder gefragt, aber  der Motor des Nissans ist leider vor Ort nicht reparabel. Gerhard hat trotzdem einen  Trick,  den Druck während der Fahrt aus dem Kühlsystem nehmen und es funktioniert! Der Nissan läuft wieder. Nach einigen schönen gemeinsamen Tagen trennen uns die unterschiedlichen Reiseziele.

Wir erreichen Puerto Escondido ( einer der weltweit besten Surfspots, „die Pipeline Mexicos genannt), was uns aber zu touristisch ist. So übernachten wir an einer Lagune wenige km weiterauf dem Weg in die Kolonialstadt Oaxaca. Die Innenstadt, in der auch der Campingplatz liegt, wird von streikenden Busfahrern blockiert (Bloqueos sind hier an der Tagesordnung), so dass wir für die letzten Kilometer zwei Stunden brauchen.

Die Stadt hat viel zu bieten: tolle Kathedralen, das beindruckende Völkerkundemuseum und klassisch die Plaza, genannt „Zocalo“. U.a. ist Oaxaca für seinen guten Käse, die bunten Märkte mit Frauen in Tracht und die kulinarischen Besonderheiten bekannt – z.B. eine Schokoladen-Chilli Sosse, die zu Shrimps oder Huhn gereicht wird. Wir probieren diese alten Mayarezepte –  sehr apart, aber nicht ganz unser Fall.

Etwas ausserhalb der Stadt liegt eine weitere riesige Ausgrabungsstätte:  „Monte Alban“, ehemals Hochburg der Zapoteken, später der Mixteken – nur die Überreste der „Biertheken“ haben wir leider nicht gefunden! Die Stätte wurde auf einem Berg erbaut, der über keine Wasservorkommen verfügte, so dass das gesamte Trinkwasser für damals ca. 30000 Menschen hochgeschafft werden musste.

Im Nachbarort Santa Maria del Tule  gucken wir uns einen Baum an, der auf spektakuläre 2000 Jahre geschätzt wird und einen Umfang von 37 mtr. hat! Sein Gewicht soll 6500 Tonnen betragen – so etwas in der Grösse haben wir noch nie vorher gesehen! Da ja nun Frühjahr ist und alles wunderschön blüht, Luftfeuchte zwischen 18% und 20% – ist die ganze Gegend im wahrsten Sinne des Wortes „staubtrocken“ und Hans bekommt fürchterlichen Heuschnupfen. Dem ist mit normalen Mitteln nicht beizukommen, so dass er sich eine Spritze im Krankenhaus verpassen lassen muss.

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Von anderen Reisenden haben wir noch einen Tip bekommen – in dem Ort des grossen Baumes lebt ein kanadisches Ehepaar, Leanne und Calvin, die jahrelang mit einem original Greyhoundbus  gereist sind und jetzt hier ihr Zuhause gefunden haben. Sie haben sich eine kleine Oase geschaffen und der fahrbereite Bus steht mitten im Wohnzimmer. Die Tür ist gross genug, dass sie jederzeit wieder losfahren könnten – aber z.Zt. ist der Bus ihr Schlafzimmer und Büro.

Es gibt 3-4 Stellplätze mit guten sanitären Anlagen und einer schönen Feuerstelle zum Grillen (www.overlanderoasis.com). Der Clou an der Geschichte: Calvin ist ehemaliger Offroad Rennfahrer und hat alle seine Autos selbst gebaut! Mit seinen unglaublichen technischen Kenntnissen führen wir eine ganze Reihe Verbesserungen und Servicearbeiten an unserem Toyo durch. Viele Dinge waren schon länger fällig, aber mangels unpassender Faszilitäten wurden sie immer aufgeschoben. Hans & Calvin sind in ihrem Element und kommen kaum aus ihrem Blaumann ‚raus.

Ausserdem kochen beide noch gerne, so dass wir abends nach getaner Arbeit fürstliche Menüs zubereiten. Bente nutzt die Zeit an der hauseigenen Nähmaschine und näht uns Bettzeug auf Mass!

An alle, die jetzt denken: muss an so einem Auto denn dauernd geschraubt und repariert werden, sei gesagt: wer viel fährt, verschleisst auch viel. Ausserdem stellen sich im Laufe einer so langen Reise viele Dinge heraus, die man optimieren kann – so hat z.B. unser Campingtisch statt bisher Lamellen jetzt eine Aluplatte bekommt, unsere nicht UV-beständigen Spritzlappen werden erneuert, die Türscharniere bekommen Schmiernippel…

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Am Sonntag gönnen wir uns einen freien Tag und besuchen die obligatorische Mezcaldestille (Agavenschnapsproduktion), den bunten Sonntagsmarkt in Tlacolula  und die traditionellen Teppichweber im Dorf  Teotitlán de Valle. Dort wird nach alten Familientraditionen die Wolle mit Naturprodukten gefärbt und nach überlieferten Mustern der Zapoteken auf riesigen hölzernen Webstühlen gewebt. Wir haben natürlich auch einen kleinen Teppich fürs Auto gekauft – „Eulen nach Athen tragen“?  Nach 10 Tagen gilt es auch hier wieder Abschied zu nehmen mit dem Versprechen:“wir kommen wieder!“ Es war eine tolle Zeit mit Leanne und Calvin!

28.03.2013  Pazifikküste (La Penita de Jaltemba)
Auf dem Weg an die Pazifikküste machen wir einen 2-tägigen Stopp in Puebla (1,1 Mio. Einw.), wieder mal mit einer schönen kolonialen Altstadt und ein guter Ausgangspunkt, um die beiden aktiven Vulkane Popocatépetl und Ixtaccihuatl vom Paso de Cortés aus zu besichtigen. Der Pass liegt 3800 mtr. hoch und führt zwischen den beiden Vulkanen hindurch, die 5452 mtr. und 5285 mtr. hoch sind. Leider rauchen sie an diesem Tage nicht wie gestern, aber es sind trotzdem beeindruckende Anblicke.

 

Hans, immer noch geplagt vom Heuschnupfen, zieht es mit rauchendem Reifen zum Meer. Ausserdem steht die „Semana Santa“ (2 Wochen Osterferienzeit) bevor. In dieser Zeit ist in Mexico jeder unterwegs, der einen fahrbaren Untersatz hat. Buslinien, Hotels, Strände – alles ist voll gebucht. Wir haben einen kleinen Campground mit 5 Stellplätzen im Visier. Den gilt es, rechtzeitig zu erreichen, um dort die turbulente Zeit abzuwettern. Wir bekommen noch den Sahneplatz direkt am Meer mit Blick! Die restlichen 4 Plätze sind von Langzeitcampern aus Kanada belegt. Sie werden im Jargon „Snowbirds“ oder „Q-Tips“ (weisse Haare, weisse Turnschuhe) genannt. Die gesamte Küste bis hoch zur Baja ist bevölkert mit diesen kanadischen Winterflüchtlingen. Parallelen zu ähnlichen Geschichten in Spanien und Marokko sind nicht von der Hand zu weisen.

Leider treffen wir auf keinen anderen Offroadreisenden, aber die Baja California liegt in Reichweite: am 03.04. setzen wir von Mazatlan nach La Paz über (16 Std.).  Leider haben wir keine Kabine mehr bekommen – so müssen wir wohl im Restaurant übernachten.

Auf diesem Weg wünschen wir allen „FROHE OSTERN!“ und ein baldiges Ende des kalten weissen Winters. Ortszeit 15:30 Uhr, Luft 29 Grad, Wasser 25 Grad, wolkenlos! Sonnenuntergang 18 Uhr, die Happy Hour naht!

 

05.05.2013  Baja California („unteres Kalifornien“)
Nach zähen Verhandlungen haben wir nun doch eine Kabine bekommen und unser Toyota wird als „normales“ Auto anerkannt – die Baja Ferries wollten uns doch als kommerzielles Fahrzeug klassifizieren, um 500 $ mehr zu kassieren! Die Diskussion endet beim Manager, der zu unseren Gunsten entscheidet! Die Überfahrt nach La Paz ist ruhig und dauert 5 Stunden länger als geplant, da die Fähre bereits seit 2 Wochen nur mit einer Maschine fährt – die andere wird während der Fahrten repariert. Langweilig ist die Überfahrt nicht, da es viel zu sehen gibt: Wale blasen um uns herum,  Delfine und Rochen springen neben dem Schiff und wir beobachten einen grossen Blue Marlin und ein Mondfisch! Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus.

UFF! Wir sind endlich auf der Baja gelandet: das Auschecken hat noch einmal 3 Std. gedauert. In La Paz wird erst einmal Proviant gebunkert, um einige Tage autark an der Beach stehen zu können. Unser erster Standplatz ist Tecolote, ein riesiger Strand, Party- und Wochenendziel der La Pazianer. Die Bucht wird ihrem Ruf gerecht – es bläst nachts, dass das Auto wackelt – an ein Lagerfeuer ist nicht zu denken, denn da würden nicht die Funken fliegen, sondern das Brennholz.

Dies ist eine spezielle Windsituation an vielen Plätzen der östlichen Bajaseite, da zum Sonnenuntergang eine unglaubliche Thermik entsteht. Das Wasser des Pazifiks ist relativ kühl (22 – 25°C) und die dicht dahinter liegenden Bergketten werden tagsüber glühend heiss aufgeheizt. Gottseidank ist dieser Spuk, der meistens noch mit einem kräftigen Sandsturm verbunden ist, nach Sonnenuntergang meistens vorbei. Ab 19 Uhr ist dann entsanden angesagt und es kann langsam an ein Grillfeuer gedacht werden – man muss halt mit der Natur leben – genau unser Ding!

Über schöne Sandpisten umrunden wir die beiden Cabos (San José & San Lucas), die sich komplett in amerikanischer Hand befinden: riesige Villen mit eigenen Landebahnen für Learjets oder ähnlichem Fluggerät berrschen die Gegend. Natur ade!

Nordöstlich von La Paz beginnt für uns die eigentliche Baja, spärlich besiedelt durch Fischer. Wir stehen an einsamen Stränden und geniessen die Ruhe, den frischen Fisch und reichlich Almejas. So geht es weiter nach San Evaristo. Dort erwartet uns eine der härtesten Offroadstrecken, die wir bisher gefahren sind. Im Schritttempo geht es in der Geländeuntersetzung mit allen Differenzialsperren über grosse Felsbrocken stundenlang bergauf, bis wir einen wunderschönen Canyon mit mehreren palmenbewachsenen Oasen erreichen. Hier bewährt sich wieder unser Navigerät mit den russischen Militärkarten, so dass wir auch die schöne Mission San Luis Gonzaga ohne Probleme finden.

In Ciudad Constitución bleibt die Küche kalt – wir sind einfach groggy und geniessen in einem guten Fischrestaurant eine leckere Meeresfrüchtesuppe. Apropo Meeresfrüchte: das ist auf der ganzen Baja das Zauberwort – überall in jeder Form frisch und preiswert erhältlich!

Ein anderer Tip von Bajakennern ist die Strecke von Ciudad Constitución nach Osten durch die Berge zu dem Fischerdorf Agua Verde. Die Empfehlung erweist sich bis hierhin als toll, da wir durch einen beeindruckenden Canyon fahren, durch den ein Fluss über wildes Gestein fliesst. Diesen durchqueren wir geschätzte 20 Mal, bis wir nach 115 km, sprich einer Tagesetappe, feststellen müssen, dass die letzten 5 km zum Strand und Dorf Agua Verde vor mehreren Monaten durch einen Erdrutsch und starken Regenfällen unpassierbar geworden sind.

Wir befinden uns noch auf 400 mtr. Höhe über Meereslevel und übernachten an einem wunderschönen Platz mitten in den Bergen. Am nächsten Morgen treten wir die Rückfahrt an und erreichen nach einem weiteren Tag über eine ebenso abenteuerliche Strecke entlang der felsigen Küste letztendlich unser Ziel. Dort steht zu unserem Erstaunen  ein amerikanischer Pickupcamper, Sue und Jim. Wir sind uns auf Anhieb sympatisch. Jim versorgt uns als begeisterter Angler und Kayakfahrer (er hat sogar einen Fishfinder im Boot installiert) täglich mit dem „catch of the day“. So finden wir schnell heraus, welche Pazifikfische sich zum Grillen, Braten oder als Sashimi eignen. Es sind schöne Tage mit ihnen und wir werden sie sicherlich am Yosemite NP besuchen.

In Loreto, einer netten Kleinstadt mit einer hübsch restaurierten Missionskirche – 1697 als Hauptsitz der Jesuiten gegründet mit der Inschrift übersetzt: „Das Oberhaupt und die Mutterkirche der Missionen von Nord- und Südkalifornien!“ – gibt es gute Tacorestaurants, die wir auch gleich auprobieren. Tacos mit Fisch, Muscheln,  mitTintenfischen gefüllt und den üblichen leckeren Salsas – delikat.

Nebenbei läuft mittags im Fernsehen das Fussballspiel: BvB gegen Real Madrid, das zu unserer grossen Freude 4:1 gewonnen wird. Zudem gibt es einen sehr gut sortieren Buchladen, in dem wir topografische Spezialkarten für die Baja bekommen – das neuste Baja Almanac (eine Rarität!). Mit einem Kilo Lobster  für umgerechnet 17 Euro setzen wir gut gerüstet unsere Reise fort.

Wir haben gehört, dass etwas weiter nördlich in der Bahia Coyoté Walhaie gesichtet worden sind, die wir uns natürlich ansehen wollen. Dort angekommen treffen wir wieder einmal ein sehr sympatisches Ehepaar aus Kalifornien – Joe, pensionierter Feuerwehrmann mit seiner Frau Carol, die mit einem Sattelschlepper (grosser Pickup mit Auflieger – auf amerikanisch: „Fifthwheeler“) jedes Jahr mehrere Monate dort verbringen. Sie bieten uns grosszügig ihr gesamtes „Wasserspielzeug“ an – vom Segelkayak bis zu Standuppaddelboards (eines der neuen Wassersporttoys).

Nach einigen Versuchen freunden wir uns mit den Boards sehr schnell an. Es ist ein schöne sportliche Betätigung und man hat gleichzeitig einen guten Blick ins Meer – wie in ein Aquarium. Wie auf Bestellung tauchen zwei Walhaie auf und schwimmen ganz dicht an und unter unseren Boards vorbei. Ein junger „kleiner“ (ca. 7 mtr. lang) ist besonders neugierig und umkreist uns eine ganze Weile. Es ist einfach faszinierend, diese riesigen eleganten Tiere so dicht beobachten zu können, was Bente am nächsten Tag auch in die Tat umsetzt. Vor lauter Aufregung verliert sie das Gleichgewicht und fällt vom Board direkt auf den Walhai, der dicht unter der Oberfläche schwimmt. Ungerührt zieht er weiter seine Bahn, aber doch sehr beruhigend, dass diese Riesentiere nur Plankton zu sich nehmen.

Auf dem Weg nach Norden bekommen wir noch ein wenig einer der legendären Bajarallys mit. Die Gelegenheit, mit einigen Fahrern der Klasse 1 direkt zu sprechen, nehmen wir sofort wahr. Klasse 1 bedeutet: freie Konstruktionswahl des Fahrzeuges mit riesigen Stossdämpfer, 30 cm Federweg in Verbindung mit einem getunten Corvettemotor mit 550 PS. Im Stil eines Buggies (Beefy Look = kompakt und stabil) machen sie mit der entspechenden Geräuschkulisse eines V 8 mächtig Eindruck auf uns.

Mit bescheidenen 173 PS fahren wir erst einmal weiter Rtg. Norden auf der asfaltierten Mex.1, der einzigen Hauptstrasse auf der Baja. Die asfaltierte Strassenbreite reicht gerade aus, dass sich zwei LKW’s begegnen können. Sie führt von La Paz 1500 km direkt in die USA. Wir verlassen sie nach ca. 100 km, um auf den alten Strecken der Mineros wieder auf die Ostseite der Baja zu gelangen. Dabei passieren wie eine Kakteenlandschaft, wie man sie wohl nur ansonsten im botanischen Garten vorfindet. Es ist Frühling und trotz des extremen Wüstenklimas (13% Luftfeuchtigkeit!) stehen viele in Blüte. Wir haben nicht geglaubt, dass es so viele unterschiedliche und endemische Kakteensorten gibt und dazu noch die sehr grossen Saguarakakteen, die bis zu 15 mtr. hoch werden.

Die Küste schon in Sichtweite sehen wir durchs Fernglas ein Auto mit hochgeklapptem Dachzelt, das zweite Auto an diesem Tag. Beim Näherkommen entdecken wir, dass dieser Übernachtungsplatz nicht ganz freiwillig gewählt wurde. Rob, ein amerikanischer erfahrener Offroadfahrer, hat in der Dunkelheit eine Bodenwelle übersehen und sich dabei das rechte Vorderrad abgerissen.

Gottseidank ist er aus San Diego, was „nur“ 1000 km entfernt liegt. Über Satellitentelefon herbeigeorderte Hilfe seiner Offroadfreunde soll im Laufe der Nacht eintreffen. Wir sind gespannt auf den nächsten Tag, an dem sie diese Strecke mit einem Trailer, beladen mit dem schweren Geländewagen, bewältigen müssen. Nach ca. 8 Std. für 100 km bis zum rettenden Asfalt in Bahia Los Angeles treffen wir sie wieder. Der Trailer hat gewaltig Federn gelassen – auf in die heimatliche Werkstatt!

Wir sitzen abends am obligatorischen Feuer und beobachten die Coyoten, die sich unserem Grillfleisch nähern. Aber der Feind kommt aus der Luft – eine Möwe klaut vom glühend heissen Grill ein richtig dickes perfekt gegrilltesHühnerbein! Die war wohl richtig ausgehungert!

Auf unserem Weg zum nördlichen Ende der Baja (noch 500 km) besuchen wir Coco, eine Legende mitten in der Wüste. Aufgrund seiner Diabetes wurden ihm beide Beine amputiert und er sitzt im Rollstuhl oder auf seinem Quart. Sein Gelände ist ein Sammelsurium aus Dosen und Schrott  – sehr kurios zu Objekten drapiert. Seit Kurzem verfügt er über zwei Carbonprothesen, die durch Spenden seiner Offroadfreunde finanziert wurden. Nun muss er mühsam darauf trainieren. Er freut sich über jeden Gast, der bei ihm einkehrt und für Abwechslung sorgt.

An der Küste gelangen wir zur Bahia Gonzaga bzw. Alfonsina’s – einem weissen Sandstrand mit bunten Sommerhäuschen bebaut. Wir staunen nicht schlecht: es parken diverse Privatflugzeuge direkt vor fast jeder Hütte. Was hier abgeht, erfahren wir kurze Zeit später, denn am Nachmittag lernen wir Dennis kennen, der uns spontan einlädt, den Abend mit seinen Freunden in einem dieser Häuser zu verbringen.

Einer dieser Freunde ist der Amerikaner Malcom Smith und seine Frau Joyce. Wie wir erfahren, ist er die absolute Motorrad  Legende des Rallyesports auf der Baja (und USA) mit phenomenalen Ortskenntnissen. Es bereitet ihm Freude, diese am nächsten Tag an uns weiterzugeben. Was für ein Glück wir haben!  Anschliessend laden uns die beiden auf ihren grossen Waverunner (Jetski) zu einem Ausflug um die nächste Insel ein, auf der John Wayne bzw. die Familie eine Fishing Lodge besitzt. Im Windschatten der Insel erreichen wir tatsächlich zu Zweit auf dem Bike 70 kn! So schnell waren wir noch nie auf dem Wasser unterwegs. Es ist schon irgendwie eine verrückte Gesellschaft! Zwischendurch wird noch eben ein Freund der Runde verabschiedet, der vor der Haustür mit seiner zweimotorigen Beachcraft nach Hause (Alaska) zurückfliegt. Es ist für uns ein bisschen wie im Kino.

Unser Resümee: „Die Baja ist für uns bisher ein gelebter Offroadtraum!“

Während wir diese Zeilen schreiben, sitzen wir 150 km weiter wieder mal an einer einsamen Beach, leider mit 45 kn Windgeschwindigkeit. D.h. das zweite Mal in unserer Reisezeit müssen wir nachts das Dach herunterklappen. In den nächsten 2 – 3 Tagen soll es in Mexicali über die Grenze in die USA gehen. Es steht noch ein Ölwechsel und Abschmieren an – das Fleisch und Gemüse muss verzehrt sein. Wir werden uns vor dem Grenzübertritt noch einmal extra duschen und das Auto waschen lassen, damit die Amerikaner nichts zu meckern haben.

Unser nächster Beitrag wird u.a. über die Overlander Expo (Offroadmesse) in Flagstaff/ Arizona berichten, zu der wir als Reisende eingeladen sind und das natürlich gerne wahrnehmen.

12.06.2013  Placerville/ Colorado
Am 08. Mai überqueren wir die Grenze in Mexicali, um in die USA nach Californien einzureisen. Die Formalitäten sind schnell erledigt und wir kommen aus dem Staunen kaum heraus, wie freundlich und „easy going“ die Beamten uns hier behandeln. Leider müssen wir feststellen, dass wir aus Mexico ausgereist sind, ohne es zu merken. Keine Migracion, keine Aduana – keine Hinweisschilder.

Also müssen wir noch einmal aus USA ausreisen, um unsere Touristenkarte abzugeben (wir sind kurz vor Ablauf der 6 Monatsfrist!), um danach wiederholt in die USA einzureisen. Zum Glück hat der gleiche Beamte Dienst, der unser Auto vorher inspiziert hat und winkt uns einfach durch mit der freundlichen Bemerkung „Welcome in the United States“. Unser Waiver Visum (J94W) gilt für 3 Monate und zu unserem Erstaunen hat das Auto zolltechnisch überhaupt keine Relevanz – in Südamerika ist das genau umgekehrt.

In Phoenix/ Arizona erleben wir die erste amerikanische Grossstadt, weitläufig und unpersönlich. Auf Empfehlung eines Polizisten besuchen wir im Nobelstadtteil Scottsdale den Scottsdale Gunclub. Es ist hier für jedermann möglich, mit Waffen jeder Art bis hin zum Maschinengewehr aktiv zu schiessen. Aufgrund des vieldiskutierten Waffengesetzes herrscht reger Andrang und die Munition wird knapp (das ist kein Witz)!

Wir müssen uns erst einmal an die neuen Campingverordnungen & -regeln gewöhnen. Generell darf man auf Walmartparkplätzen übernachten, u.a. in „Recreation Areas“ und BLM Forest (Beaureau of Landmagement), auf gut Deutsch „in staatlichen Waldgebieten“, meistens auf Schotterpisten in Pinien- und Laubwäldern – sehr idyllisch und gebührenfrei. Die staatlichen Campingplätze in den NP kosten mindestens 15 USD, meistens ohne Dusche (da die RV’s alle über eigene Badezimmer verfügen), aber sehr gepflegt. Ansonsten bewegen sich die Preise zwischen 15 USD bis 40 USD, was ganz schön ins Budget geht.

In Las Vegas haben wir uns allerdings mitten am Strip für 54 USD einen zentralen Stellplatz am Casinohotel „Circus Circus“ gegönnt und können alles zu Fuss erreichen. Aufgrund der Millionen RV’s (riesige Wohnmobile – „Recreation Vehicles“), die hier unterwegs sind, findet man an allen landschaftlich schönen Spots Verbotsschilder aller Art – Missachtung wird ziemlich rigeros behandelt. Dafür sind die RV Parks/ Campgrounds super ausgestattet mit Wasser- und Abwasseranschluss für jeden Platz und „Dumpstations“ inklusive Spülmöglichkeiten für die Fäkalientanks.

Unser erstes Ziel Flagstaff liegt in Arizona an der klassischen „Route 66“. Ein nettes „Westernstädtchen“ mit allen Faszilitäten – ein Farmer’s Market für organische Produkte, Mc Donald fürs Internet, einen Walmart und sogar Gas können wir ohne Problem für wenige Dollar auffüllen lassen. Am Abend geht es in die „Lumberyard Microbrewery“, um das leckere selbstgebraute IPA (Indian Pale Ale) Bier zu probieren. Seit Jahren gibt es in den USA einen neuen Trend: in vielen Städten und kleinen Orten enstehen Hausbrauereien, die fantastische Biersorten brauen.

Dringend müssen wir uns um eine Autoversicherung für USA (für nicht Amerikaner nicht so einfach) kümmern und  finden eine in Kalifornien, die unseren Toyo für 530 USD für 1 Jahr versichert. Es ist nicht so einfach, ein ausländisches Auto in USA zu ersichern! An der legendären „Route 66“ begegnen uns täglich ganze Harley Clubs mit den tollsten Maschinen und Sounds. Sie werden von kuriosen Typen (cooles Kopftuch ohne Helm) im fortgeschrittenen Alter gefahren nach dem Motto: Easy Rider lebt! Wir sind begeistert!

Die Offroad Messe findet am Lake Mormon, ca.15 Meilen ausserhalb von Flagstaff im Grünen statt. Das Campingareal für die Aussteller und Besucher ist riesig gross und weitläufig. Wir stehen in der Kategorie „Aussteller“ und unser Auto, das hier in USA nicht erhältlich ist, wird viel bestaunt. Vor allem das Klappdach und der Innenausbau ist so nicht bekannt. Hier wird mehr das klassische Dachzelt verkauft, da der Amerikaner nur kurze Urlaubstrips unternimmt. Wir lernen viel interessante Leute, Reisende und Toyotaspezialisten kennen und haben 4 Tage eine tolle Zeit.

Der „Grand Canyon“, der 80 Meilen nördlich von Flagstaff liegt, ist unser erster NP in USA. Wir erwerben sogleich für 80 USD ein Jahresticket, das für alle Insassen in dem Auto freien Eintritt in alle Nationalparks der USA gewährt. Am „South Rim“, der südlichen Kante des Canons, herrscht Hochbetrieb und wir bekommen den letzten Platz auf dem Campground. Nächsten Tag heisst es : Wanderschuhe anziehen und 4 Std. entlang der Rim wandern (es bedarf einige Überredungskunst, aber Hans ist danach begeistert!). Beeindruckend sind die Ausblicke in die verschiedenen Schluchten und teilweise auf den Colorado River! Auf dem Weg zum Auto läuft uns sogar ein Elch über den Weg, von denen es hier viele gibt.

Am nächsten Tag machen wir uns auf Schotterpisten und mit GPS auf den Weg in das westlich gelegene Indianerreservat „Supai“. Dabei müssen wir das Gebiet einer Ranch überqueren, die von 12 Gauchos und deren Familien betrieben wird. Einen lernen wir zu Pferde kennen – der klassische Cowboy.

Supai ist eine gute Stelle, um in mehrtägigen Wanderungen zum Colorado River hinunter zu gelangen. Der Rummel (seit einigen Jahren gibt es eine Teerstrasse) ist riesig, denn alle möglichen Touranbieter sind hier mit ihren Kunden unterwegs – alles nur mit Guide und Genehmigung der Indianer, die es sich ordentlich bezahlen lassen.

Wir wenden auf der Stelle, um unser nächstes Ziel (auch Offroad), das Hualapai Reservat anzusteuern. Wir erreichen es nach 1,5 Tagen – den bekannten Skywalk, der Glasplattform, die über dem Canon schwebt und uns unter statischen Aspekten interessiert. Wir lernen aber schnell, dass man so einfach da nicht hinkommt. Die Indianer verkaufen nur komplette Touren, u.a. zu eine Ranch mit Souvenirshop für 50 USD und mehr – so dass wir davon Abstand nehmen. Auch ein Helikopterflug, den wir stattdessen buchen wollen, ist ohne diese „Grundpaket“ nicht zu buchen. Wir fühlen uns abgezockt. Dann eben nicht. So erwandern wir die Gegend, was zum Teil sehr anstrengend ist, aber es soll ja gesund sein.

Las Vegas – wir kommen! Vorher übernachten wir am Colorado River in Willow Beach, um uns abzukühlen. Das Wasser ist eisig, aber die Luft heiss wie im Backofen – 40 Grad! Auf dem Weg liegt der „Hoover Dam“, den wir kurz besichtigen. Es ist langes Wochenende, so dass wir am Lake Mead campen, bevor wir nach Las Vegas fahren. Erstaunt sind wir über die kilometerlangen Slipanlagen – die Erklärung: der See ist in den letzten 11 Jahren um 200 Fuss (60 mtr.) gesunken! Er ist für die Bewässerung der Landwirtschaft, Städte und Golfplätze bis nach Mexiko zuständig.

 

Dieser Winter ist dazu noch sehr trocken und scheearm gewesen, so dass der Pegel weiterhin stetig sinkt. Die Hafenanlagen und Restaurants, die ehemals in Wassernähe lagen, thronen hoch über allem. In Calville Bay liegt der Campingplatz dementsprechend kilometerweit vom See entfernt, so dass wir uns nach 2 Tagen einen Platz suchen, den man nur mit 4×4 erreichen kann. Wir stehen alleine auf einer kleinen Halbinsel mit einer eigenen „Badeplattform“ und bekommen nur ab und an Besuch von Wakeboardbooten oder Jetskis.

Las Vegas – ein Meer von Lichtern, dekadenten Hotel- und Casinokomplexen mit Themen wie Circus,Circus & Cäsar’s Palace. Die riesige Wasserorgel auf einem künstlich angelegten See vor dem „Bellagio“ ist dem Comer See nachempfunden und jede Stunde schmaucht und donnert der Vulkan vor dem bekannten Hotel „Mirage“. Einen Abend gucken wir uns das Spektakel an. Aber dann zieht es uns doch zurück in die Prärie, nachdem wir in unserem Lieblingsladen „Trader Joe’s“ noch einmal richtig gut einkaufen.

Im „Valley of Fire“, nicht weit von Las Vegas entfernt, herrscht das Gegenteil- Ruhe, natur pur, kein Strom …Die Gesteinsformationen leuchten rot im Abend- oder Morgenlicht. Kleine Streifenhörnchen freuen sich über unsere matschigen Cherrytomaten auf dem hervorragend ausgestatteten Campingplatz. Am nächsten Morgen klettern wir in den Felsen herum und besichtigen Peroglyphen (Gesteinsmalereien). Durch das Dreiländereck: Nevada- Arizona- Utah- wollen wir uns auch noch die Nordseite („North Rim“) des Grand Canyon ansehen. Es soll die touristisch etwas ruhigere Ecke sein. Dennoch sind alle Faszilitäten sind vorreserviert oder belegt. So campen wir im Wald ausserhalb des Parks wunderschön unter Pinien. Die Landschaft ist ganz anders als am South Rim – alles ist viel grüner und erinnert eher an den Schwarzwald.

Von hier aus suchen wir uns Schotterpisten auf der Karte: z.B. die schöne „House Rock Road“, die entlang des Vermillioncliffs führt. Wirbrauchen 4×4 und beiden Sperren, um eine tiefrote weiche Sandpiste auf ein Plateau zufahren – unser Panoramaplatz für die Nacht mit  traumhaftem Ausblick in den Canyon.  Am nächsten Morgen stellt sich heraus ( ein holländischer Wanderer macht uns darauf aufmerksam!), dass wir in einem Nationalpark campen, für den es pro Tag nur 10 Genehmigungen gibt! Also schnell Frühstückstisch zusammenpacken und weg hier, ehe uns der Ranger aufspürt.

Zum Abkühlen (die Durchschnittstemperatur beträgt ca. 39 Grad) fahren wir an den Lake Powell – eine atemberaubende Felskulisse hinter türkisblauem Wasser. Am weitläufigen „Lone Rock“ Strand gibt es schönste Bademöglichkeiten und der Haupttourist ist der Deutsche Urlauber mit dem Mietcamper. Wir treffen nette Leute und grillen am Abend zusammen. Dann bekommen wir zu unserer grossen Freude auch noch die Gelegenheit, von den in Page ansässigen Liz & DC deren SUP (??-der neue Ausdruck für „Stand Up Paddelboards“) zu benutzen – einmal zum Lone Rock und zurück – das hat was!

Auch wieder abseits der Hauptrouten fahren wir auf der „Cottonwood Canyon Road“, Kulisse von viele Western, weiter Rtg. Kodacrome Valley. Leider ist es sehr bewölkt, so dass wir weiter zum Bryce Canyon fahren. Zwei Tage wandern – zwischen Hoodoos (Steinsäulen), Blick in Canyons und durch Tunnel und auf Serpentinen wieder an die Rim – Fotomotive ohne Ende.

Unser Toyo hat gerade die 100.000km überschritten – tapfer und ohne aufzumucken. Ein tolles Reisemobil! Auf dem Burr Trail kommen wir noch einmal an den Lake Powell und wollen mit der Fähre auf die andere Seite übersetzen Rtg. Monument Valley. Leider ist die Fähre gerade gestern für ca. 2-3 Wochen wegen Sicherheitsmängel aus dem Verkehr gezogen worden. So müssen wir den Lake umfahren und beschliessen, stattdessen uns die Natural Bridges Monument und von dort Offroad durch den „Manti La-Sal“ National Forest zu den „Needles“ zu fahren. Die Needles sind bizarre Felsformationen entlang des Colorado Rivers.

Wir nehmen gerne die Einladung von Alex ( Venezuelaner & ehem. Profipolospieler) und Freundin Jaque (wir haben sie auf der Expo kennengelernt) an, zu Hause bei ihnen in Placerville/ Colorado alle Annehmlichkeiten (Waschmaschine, Internet…) wahrzunehmen. Es wird zusammen gekocht, an den Toyos gebastelt- alles, was das Leben angenehm macht. Wir fühlen uns bei den beiden gleich wie zuhause und die Hunde sind begeistert über weitere Streicheleinheiten!

Nach einer Woche in den Bergen von Placerville und einem Blueskonzert („Otis Taylor Band“) im Nachbarort Ouray verabschieden wir uns schweren Herzens und es werden Pläne geschmiedet, zusammen im Herbst auf die Baja zu fahren.

22.06.2013  Moab/ Utah
Diese Gegend empfängt uns mit gigantischen roten Felsen, Schluchten und Trails. Alles für Abenteuer Offroadfreaks in jeder Form: für hochgelegte Jeeps, Mountainbiker, Crossmopeds, Quarts und UTV’s (kleiner Buggy mit Überrollbügel) – eine Spielwiese für Jung & Alt! Wir sind begeistert und campen mehrere Tage mittendrin in „sandflats“. Unsere Idee, unseren Toyo auf die Piste zu schicken, verwerfen wir schnell und leihen uns lieber ein UTV, eine der besten Ideen, die wir haben.

Die Trails entpuppen sich als heftig bis fast unpassierbar – es hilft manchmal nur die scharze Gummispur auf den Felsen vor uns, was bedeutet, dass hier andere auch schon hochgekommen sind. Das UTV bäumt sich manchmal auf oder droht, sich fast senkrecht in den Felsen zu bohren. Bente klammert sich an die beiden Griffe – genannt „Oh Shitt bars!“Die Härte ist- nach einem Tag üben – die Bewältigung des „Hells Revenge Trails“, den wir zum Sonnenuntergang in Angriff nehmen. Eine wirkliche Herausvorderung. Eine Gruppe von Jeeps begleitet uns – selbst der geländegängige Rubicon ist am Limit. Am Abend sind wir völlig fertig, aber wir haben es ohne Probleme geschafft! Dazu noch Temperaturen um 40 Grad und 10% Luftfeuchte.

Am nächsten Tag wollen wir auf den etwa 4-stündigen Kane Creek/ Canyon Trail, der uns von Steve (Fa. Dirtseeker) empfohlen wird. Vorher muss nur noch ein abgerissener Bolzen des Stabilisators vom Hinterrad repariert werden. Sie sind froh, dass wir den Schaden bemerkt haben. Die Fa. Dirtseeker hat erstklassiges Material (UTV: Typ „Wildcat“, 1000 cc) – wir bekommen eine Engel Kühlbox dazu und einen Shuttleservice zurück zu unserem Campground – wirklich klasse. Zudem ist das Teil auch versichert, was andere Firmen nicht anbieten konnten. Für unsere Aufmerksamkeit dürfen wir das UTV noch 4 Stunden länger nutzen, als gebucht. Also auf zum Kane Canon. Das Gelände ist anspruchsvoll, steinig, sandig, Felsen und Stufen, die überwunden werden müssen. Zum Schluss werden die Felsbrocken bzw. -stufen so hoch, direkt an der Canyonkante, dass wir kurz überlegen, umzudrehen. Hans schafft es, durch herzhafte Gasstösse das UTV bockend und aufbäumend hochzubringen. Wir hätten jede Wette verloren, dass es möglich ist, ein Vehikel über so ein Gelände zu bringen.

Als Entspannung begeben wir uns mit unserem schweren Toyota gemütlich auf den „White Rim Trail“ im Canyonlands NP „Island in the Sky“. Wir holen uns ein „Backgroundpermit“ für 30 USD, mit dem wir an ausgewiesenen Plätzen im NP übernachten dürfen. Eine grandiose Strecke für 4×4 Fahrzeuge ( in 2 Tagen begegnet uns nur 1 Motorradfahrer) entlang des Green River mit Blick in die Canyons. Die die ersten 50 Meilen gut zu fahrende Strecke entpuppt sich doch noch als echte Herausforderung: Steigungen, die nur mit Sperren und Geländeuntersetzung zu bewältigen sind sowie Spurbreiten hart an der Schluchtkant, die für unseren Toyo gerade ausreichend breit sind. Wir sind heilfroh, dass unser Fahrzeug nicht grösser ist!

 

Auf dem Weg nach Denver machen wir einen Zwischenstopp bei der Firma „Safari“ in Grand Junction, einen der wenigen Toyotaspezialisten hier in den USA. Es werden zwei zusätzliche Federblätter an die Hinterachse gebaut, um die Bodenfreiheit bei voller Beladung etwas zu erhöhen. Die Inhaber lernten wir ebenfalls auf der EXPO in Flagstaff kennen.

In  Denver stellen wir unser Auto unter und fliegen nach Deutschland. Im Juli & August, den amerikanischen Schulferien, herrscht uns zu viel Betrieb, so dass wir erst Anfang September wiederkommen, um weiterzureisen.