Winter 2017 – 2018

Route

Türkei – Deutschland – Verschiffung nach Namibia

Rundreise: Namibia – Südafrika – Lesotho – Namibia

Nach zwei Jahren Reisepause – naja, ein paar kleine Offroadtouren in der Türkei waren schon dabei – und schönen Segeltouren in der Südägäis geht es wieder los!

Der Toyota ist überholt, und alle technische Teile sind überprüft.  Für die Tour von der Südtürkei nach Deutschland haben wir uns als Schwerpunkt das Bergland von Albanien und Montenegro vorgenommen, was im nachhinein in der Ferienhauptsaison die beste Idee war. Tolle Offroadstrecken, kalte Bergflüsse und einsame Pisten bieten uns grandiose Natur.

Anbei ein paar Eindrücke, ehe wir in ca. 6 Wochen aktuelle Bilder aus Namibia liefern können. Die Verschiffung dauert 3 – 4 Wochen, bis wir unser Auto in Walvis Bay aus dem Container holen können.

19.11.2017
Walvis Bay – Namibia

Nach einem 36 Stunden Flug mit Zwischenstopps in Istanbul, Dubai und Johannesburg haben wir es endlich geschafft – wir sind an der Westküste von Namibia in Walvis Bay (Walfischbucht) gelandet.

Der Ort am Rande der Namib Wüste ist trocken und umgeben von einem riesigen Dünengebiet. Der kleine Flughafen liegt inmitten dieser Sandwüste und muss erst einmal per Hand von einigen schwarzen Angestellten für unsere Landung freigefegt werden. Es hatte einen Tag vorher so gestürmt, dass ein Flieger nach drei Landeversuchen schlussendlich in Windhoek landen musste.
So haben wir wohl Glück mit den Wetterbedingungen.

Eine feuchtkühle Meeresbrise schlägt uns entgegen – beeinflusst durch den „Benguela-Strom“, der aus der Antarktis kalte Wassermassen an die namibische Küste trägt. So hängt fast jeden Morgen Nebel über der Namibwüste, der sich erst mittags langsam verzieht. Also kramen wir alle dicken Sachen zusammen, die wir in unserem minimalen Reisegepäck zum Glück dabei haben, denn alles Weitere liegt ja im Auto.

Passt so gerade!

Da sich die Schiffsankunft um einige Tage verspätet, erkunden wir den Ort und vor allem das gute
Essen. Wir werden schnell Stammgäste im „Anker@the Jetty“ Restaurant. Dort an der Wasserfront gibt es die lokalen hervorragenden Austern und Fleischgerichte zu sensationellen Preisen !!
Welcome Afrika!

IN DER WÜSTE NAMIB

Ein weiterer Höhepunkt ist eine organisierte Dünentour mit zwei Privatfahrern in deren Jeeps nach Sandwich Harbour. Die Tour führt direkt durch das riesige Dünengebiet, das mittlerweile zum Naturschutzgebiet erklärt wurde und nur mit einer speziellen Genehmigung befahren werden darf. Grund: in der Vergangenheit sind zu viele Privatfahrzeuge verunfallt. Entweder haben sie sich in den hohen und steilen Dünen überschlagen oder sind vom aufkommenden Hochwasser überrascht worden und haben dabei ihr Fahrzeug versenkt!
Unser Fahrer „Kurt“ manövriert uns gekonnt durch diese grandiose Landschaft, so dass uns der Atem stockt! Mit dem eigenen Auto hätte uns wahrscheinlich der Mut gefehlt!

Wüste Namib

Mit unserem Agenten Eddi freunden wir uns langsam an, denn wir müssen noch auf den Container warten. So treffen wir ihn im lokalen Sportsclub, wo nur Deutsch gesprochen wird. Die Flaggen diverser deutscher Fussballvereine schmücken das Clubhaus und abends wird beim Würfelspiel ordentlich Jägermeister getrunken. Wir fühlen uns mitten in „Deutschland“ und das in Afrika! Mit wenigen Ausnahmen sind alle Anwesenden gebürtige Namibianer mit deutschen Wurzeln, meistens aufgewachsen in Windhoek oder auf den umliegenden Farmen. Einige arbeiten in den Minen oder im einzigen Seehandelshafen Namibias (Walvis Bay). Andere haben sich in Swakobmund, dem bekanntesten Seebad an der Küste, ein Sommerhäuschen zugelegt, um der Hitze der Wüste in den Sommermonaten um die Jahreswende zu entfliehen.

Unser Container trifft mit 5 Tagen Verspätung endlich ein und in zwei Stunden hat Eddi alle Formalitäten erledigt. Wir können Freitagmittag das Hafengelände verlassen, einkaufen und los geht’s.

25.11.2017
Skeleton Coast – der grösste Schiffsfriedhof der Welt!

Entlang der Küste zieht es uns nach Norden, da wir als Segler natürlich zuerst die sagenumwobene „Skeleton Coast“ sehen wollen. Schnatternd sitzen wir abends am Lagerfeuer in dicken Wintersachen und Mütze. So haben wir uns den namibischen Sommer nicht vorgestellt. Da müssen wir wohl durch, denn der kalte Benguelastrom kennt auch im Sommer kein Pardon! Das Wasser hat gerade mal 14 Grad! Nichts für uns verweichlichte  Mittelmeerschwimmer.

fantastische Sonnenuntergänge
Wrackteile

Wir besuchen Swakobmund. Neugierig auf den „Badeort“ der deutschen Namibianer, der 1892 von Deutschen gegründet wurde, lesen wir Strassennamen wie „Dünenweg“, „Nordstrand Strasse“ oder „Bismarck Strasse“. Das 1905 erbaute „Woermann- Haus“ im Hohenzollernstil wirkt schon bizarr vor der Wüstenkulisse. An den langen Stränden wird trotz der Wassertemperatur gebadet und gesurft! Das können wir aber erst nachvollziehen, nachdem wir einige Wochen später die Kalahariwüste mit 52 Grad erlebt und diese kühle Meerbrise sehnsüchtig herbeigesehnt haben!

Köcherbaum

CAPE CROSS

Die Piste zum „Cape Cross“ und der dort angesiedelten Pelzrobben- bzw. Seelöwenkolonie führt uns weiter gen Norden.
Die immense menschenleere Weite und eine einzige Strasse – mehr sehen wir nicht bis zum Horizont. Immer mal wieder tauchen bizarre Überreste gestrandeter Wracks aus dem Nebel auf. Die Überlebenden dieser gestrandeten Schiffe sind oft verhungert oder verdurstet. Daher rührt der Name für diesen 500 km langen Küstenstreifen. „Apokalypse Now“ – Stimmung kommt bei uns auf. Der nördliche Teil der Skeleton Coast ist seit einigen Jahren in Privatbesitz. Für 5000 €  bekommt man für die Weiterfahrt nach Angola ein Permit, was wir dann aber doch sein lassen.

Die Seelöwenkolonie umfasst mehrere tausend Tiere, die gerade jetzt ihre Jungen hier zur Welt bringen. Ein intensiver Gestank liegt über diesem Küstenabschnitt. Der Grund sind die mittendrin liegenden toten Robbenbabys, für die grossen Seemöwen ein gefundenes Fressen. Das ist der Kreislauf der Natur, den wir hautnah miterleben! In der tosenden Brandung beobachten wir weitere tausende Seelöwen, die munter fischen und auf den Wellen surfen.Wir können uns kaum sattsehen und gewöhnen uns allmählich auch an den Geruch!

28.11.2017
Omaruru River Trail

Statt weiter in den Norden zu fahren, treffen wir uns einige Tage später mit Lisi & Martin in Henties Bay, um gemeinsam einige Zeit zu verbringen. Die Beiden haben bereits in früheren Jahren mit einem Leihwagen Namibia bereist und sind seit fünf Monaten mit ihrem neuen Bremach Truck unterwegs. Eine tolle Chance für uns, in die „Geheimnisse“ der Namibiarouten eingewiesen zu werden.

Wir starten auf dem „Omaruru River Trail“, der uns in zwei Tagen durch Tiefsandpassagen führt und tolle einsame Übernachtungsplätze bietet. Freiheit pur, die wir später noch zu schätzen wissen bzw. schwer finden werden. In Uis versorgen wir uns im lokalen Sparmarkt (richtig: SPAR ist gross vertreten!) mit guten Lebensmitteln und fahren weiter zum „Brandberg“. Von unserem schönen Standplatz haben wir einen grandiosen Blick in die weite Steppenlandschaft Namibias. Blutrote Sonnenuntergänge und mildes Klima umschmeicheln uns am Lagerfeuer. Grillen – hier „Braai“ genannt, ist die Hauptbeschäftigung der Namibianer und jetzt auch die unsere.

 

Morgens früh buchen wir eine geführteWanderung in den nahegelegenen Canyon zu den Felsmalereien „White Lady“ und stossen auf unsere ersten Wüstenelefantenspuren. Leider sind sie bereits weitergezogen, so dass wir sie erst am nächsten Tag zu Gesicht bekommen.

03.12.2017
Ugab River Trail – Huab River Trail

Vom „Brandberg“ bzw. der „White Lady Lodge“ begeben wir uns auf den „Ugab River Trail“, der sich als eine echte Herausforderung herausstellt. Wir sind froh, mit zwei Fahrzeugen unterwegs zu sein. Von Schlammdurchfahrten bis hin zu weichen Tiefsandpassagen im Flussbett sind der Allradantrieb inklusive Fahrer gefordert. Über Tage haben wir alles, was das Offroaderherz höher schlagen lässt. Endlich treffen wir auf unsere ersten wilden Elefanten und auf Nashornspuren.

Über die beeindruckende Weite des „Desolation Valleys“ nähern wir uns dem trostlosen Wüstenort Khorixas, um einzukaufen. Auf dem „Huab River Trail“ tut es am Bremach einen metallischen Schlag – eines von zwei Federblättern an der Vorderachse ist gebrochen. Mit vereinten Kräften bandagieren Hans und Martin die Teile mit Sperrholz und Spanngurten. Wir beiden Frauen sorgen für das leibliche Wohl im Schatten einer grossen Akazie. Die Notreparatur hält erstaunlich gut, bis wir in Khorixas eine kleine Werkstatt finden. Dort wird unter „Master Hansi’s“, wie er ab jetzt von den Schwarzen genannt wird, Aufsicht geschraubt und geschweisst. Bis Windhoek muss die Reparatur halten, denn weit und breit gibt es hier keinen Ersatz.

Während Lisi & Martin Freunde in Omaruru besuchen wollen, begeben wir uns in den nächstgrösseren Ort Otjiwarongo, in dem wir eine deutsche Zahnärztin aufsuchen. Hans herausgefallene Krone muss wieder eingeklebt werden. Wir übernachten direkt im Ort auf dem hoch abgesicherten Campingplatz „Acacia Park Rest Camp“. Es folgt eine böse Überrschung.

NÄCHTLICHER  EINBRUCH

Morgens um vier Uhr werden wir durch Schaukeln des Autos wach (wir haben leider nichts gehört, da wir aufgrund von lauter Musik in der nahegelegenen Kneipe mit Oropax geschlafen haben!).
Man hatte unsere Beifahrertür aufgebrochen, das Fenster eingeschlagen und mit einem mitgebrachten Messer die Gurte von der Kameratasche & Stativ unterm Sitz durchgeschnitten. Wir sehen den Einbrecher noch flüchten und durch ein zuvor geschnittenes Loch in den Zäunen ( Natodraht, Maschendraht & Elektrozaun!) entschwinden. Wie wir feststellen, ist auch Bentes neues Smartphone weg. Am weissen Ladekabel hat er es einfach aus dem Versteck gezogen!

Der Platzbesitzer lässt sich nicht blicken und die sechs heranstürmenden Sicherheitsbeamten können mangels Handyguthaben die Polizei nicht herbeirufen! Am nächsten Morgen machen wir persönlich eine Meldung bei der örtlichen Polizei, die sich sehr betroffen zeigt! Bisher gilt Namibia als sicherstes Land im südlichen Afrika, was für den boomenden Tourismus und das Image wichtig ist.
Von den doch relativ teuren Lodges und Tourismusangeboten hat der schwarze Angestellt nicht viel, denn man bezahlt Minimumlohn. Das bedeutet natürlich auch, dass die Bereitschaft, auf kriminellem Wege am steigenden Wohlstand teilzuhaben, immer grösser wird. Ausbeutung und „modernes Sklaventum“ begegnen uns tagtäglich. Die meist weissen Lodgebesitzer scheinen wohl noch nicht gemerkt zu haben, dass die Kolonialzeit vorbei ist, und so stehen sie nach wie vor dazu.

Innerhalb von zwei Tagen bekommen wir eine neue Seitenscheibe von der Firma“ PG Glass – „ ohne Berechnung der Arbeitszeit und mit einem dicken Rabatt“. Auch ihnen ist der Überfall unangenehm, was sie so versuchen, wieder gut zu machen. Thank you guys!!

Unsere Reiseplanung müssen wir nun kurzfristig umstellen, denn den „Etosha Park“ ohne Kamera zu besuchen wäre echt Sch…
Netterweise helfen uns Lisi & Martin mit ihrer guten Zweitkamera aus, so dass wir unseren Windhoekbesuch auf später verlegen. Nochmals danke, danke ,…!!

09.12.2017
Etosha Park

Die „Etosha Pfanne“ empfängt uns mit extrem unfreundlichem Personal und gepfefferten Eintrittspreisen, so dass wir nicht auf dem Campingplatz (ein sandiges Drecksloch) am South Gate bleiben, sondern ausserhalb auf der sehr schönen „Taleni Etosha Lodge“ übernachten.
Wir starten unsere Touren durch den Park und sehen fast alles an Tieren, was man als Tourist erwartet. Das Highlight ist eine Leopardenmutter mit Baby, die unseren Weg gemütlich kreuzen.

Leider muss man sagen, dass der Etosha Park mit künstlichen Wasserlöchern eher einem grossen Zoo ähnelt, ohne Käfige versteht sich! Wir beobachten grosse Zebraherden, Giraffen, Oryx Antilopen und eine Elefantenherde mit dem grössten Bullen, den wir jeh gesehen haben. Als der sich dann auch noch langsam unserem Auto nähert, treten wir doch lieber im Rückwärtsgang den Rückzug an. Nach kurzer Zeit verliert er aber das Interesse und schlägt sich zu seiner Herde ins Unterholz.

Uns zieht es vor der herannahenden Regenzeit in das nördliche Namibia zu den „Epupa Water Falls“,

die an der Grenze zu Angola liegen. Ab hier zeigt sich Namibia, wie wir es uns vorgestellt haben – Einsamkeit, freies Fahren und Campen ohne Zäune und Einflussnahme auf Natur und Tiere durch den Menschen.

BEI DEN HIMBAS

Im Kaokoveld leben die Himbas noch taditionell und einfach in ihren Lehmhütten und wir bekommen die Gelegenheit, bei ihnen zu übernachten.
Die Himbas leben als Nomaden und Jäger am Kunene River. Von den 7000 leben noch 4000 ursprünglich in ihren traditionellen Rundhütten ohne Elektrizität.

Nur mit einem Lendeschurz aus Leder bekleidet waschen sie sich nicht, sondern schmieren sich mit einer Paste aus Butter und Okrastaub ein, um die Haut vor der Sonne, Kälte und Trockenheit zu schützen. Der Geruch nach ranziger Butter und dem aromatischem Harz des Omuzumbastrauches ist für uns etwas gewöhnungsbedürftig.

Die Frauen als auch Männer tragen kunstvolle Haartrachten und Muschelketten, die alle symbolische Bedeutung haben und ihren sozialen Stand in ihrer Gemeinschaft darstellen.Trägt eine Himbafrau die mit Ocker eingecremten Haare nach hinten, ist sie verheiratet. Die heiratsfähigen Mädchen tragen die Zöpfe nach vorne über dem Gesicht und die jungen Mädchen vor der Pubertät tragen ihre Zöpfe ohne Ocker im Haar. Im modernen neuen Sparmarkt in Opuwo beobachten wir am Kühlregal, wie zwei extreme Welten aufeinanderprallen – die Himbafrauen bestaunen alles mit offenem Mund! Man kann nur hoffen, dass durch die fortschreitende Zivilisation und den Tourismus dieser Stamm noch möglichst lange in seinem natürlichen Umfeld traditionell leben kann und will.
Das Handy hat bereits vieles auch bei ihnen verändert.

Tagelang fahren wir durch wunderschön einsames Wüstengebiet, überqueren Gebirgszüge, trockene Flussläufe und landen im Wüstenort Seisfontein („Sechs Quellen“ auf Afrikaans), wo wir unseren neuen defekten Reifen reparieren lassen. Ein spitzer Stein hat sich zwischen die Stollen gebohrt.

Die meisten Ortsnamen und die Amtssprache in Namibia ist Afrikaans, das eine Mischung aus Englisch, Holländisch und Deutsch ist. Die einzelnen Stämme haben eigene Sprachen, die komplett eigenständig sind.

In Kamanjab besuchen wir die „Falckenberg Garage“, die von dem Hamburger KFZ- Meister Lars und seiner netten Frau Juanita betrieben wird. Wir verbringen einen lustigen Grillabend zusammen und erfahren viel über das Leben in Namibia. Jeder Autoreisende sollte diese Adresse in sein GPS eingeben, denn Lars kann in allen Lebenslagen helfen.

Nach ca. 3000 km treffen wir in Windhoek ein, um gemeinsam mit Lisi & Martin Weihnachten auf der vorgebuchten „Hauchabfontein Lodge“ zu feiern.

Leider bleibt unsere Kamera verschollen, so dass wir in Windhoek eine neue kaufen müssen. Über den „Gamsbergpass“ mit einem grandiosen Sonnenuntergang erreichen wir die Lodge in der Steinwüste. Das Highlight ist ein Naturpool, der in einer grossen Felsspalte liegt und mit Frischwasser versorgt wird – bei 45 Grad ein wahrer Genuss.

WEIHNACHTEN AUF DER HAUCHABFONTEIN LODGE

Mit von Martin selbstgebackenem Brot und Geschenken „feiern“ wir Weihnachten.

Unser nächstes Ziel sind die weltbekannten Dünen von „Sossusvlei“, angeblich die höchsten der Welt. Sehr schön anzusehen.

Leider verstärkt sich täglich unser Eindruck, dass der Tourist in Namibia nur noch abkassiert wird. Alle interessanten und weniger interessanten Gebiete in Namibia können nur noch mit einem Permit befahren werden und selbst einfachste „Campingplätze“ kosten zwischen 20 – 30 €.
Herzlichkeit gegenüber dem Tourist ist hier eher ein Fremdwort und wir bekommen mehr und mehr das Gefühl, dass unser Geld gerne genommen wird, aber die Gegenleistung oft zu wünschen übrig lässt. Dieser Tatbestand wird mittlerweile auch in der lokalen Presse thematisiert!

Der Rest des Landes ausserhalb der Nationalparks befindet sich im Privatbesitz von weissen Grossgrundbesitzern, die ihre Anwesen mit tausenden von Zaunkilometern abgesperrt haben.

Angeblich braucht ein Rind hier 1 ha Land, um zu überleben – unter der aktuellen Dürre wahrscheinlich noch mehr. Viele dieser Farmer leben daher mittlerweile hauptsächlich vom Tourismus.
Als Individualtourist bleibt einem so fast keine Chance, mal frei zu übernachten, ohne ein Permit oder einen Zaun zu ignorieren – gegen hohe Strafen!

Auf der landschaftlich bisher beeindruckendsten Piste (D 707) fahren wir parallel zu den Dünen der Namibwüste. Sie ist aufgrund von Diamantenminen striktes Sperrgebiet. Das Befahren ist nur mit speziellen Guides und Permits erlaubt, die von der Regierung abgesegnet werden müssen. Vier Tage mit dem eigenem KFZ kosten z.Zt. 1500 €/ p.Pers.- vor drei Jahren waren es noch 600 €!!

LÜDERITZ

Wir erreichen Lüderitz, eine „Insel“ in der Wüste am Atlantik. Im Süden wird sie vom Diamantensperrgebiet begrenzt und im Norden durch die Namib Wüste (auch Sperrgebiet!). Der Ort hat deswegen einen besonderen Flair und wir nutzen die Zeit, um uns neu zu verproviantieren und mal gepflegt Essen zu gehen. Die Austern aus den vorgelagerten Zuchtfarmen schmecken köstlich! Direkt an der Lüderitzbucht campen wir frei in einer wilden Landschaft mit Blick auf die Austernfarmen auf einer windumtosten Halbinsel.

Wir haben Glück mit dem Wetter, denn der kalte Benguelastrom hüllt die Küste normalerweise in dichten Nebel. So besuchen wir bei strahlendem Sonnenschein den Museumsort „Kolmanskuppe“, der am Anfang des 20. Jahrhunderts von deutschen Diamantensuchern aufgebaut wurde. Alles ist durch das trockene Wüstenklima gut erhalten und einzelne Gebäude können noch besichtigt werden, wenn sie die Wüste nicht schon zurückerobert hat! Die ehemalige Champagnerbar ist jedenfalls noch in gutem Zustand – lediglich der Champagner ist ihnen ausgegangen.

31.12.2017
„Singing Kliff“

Wir versuchen, auf einem abgelegenen Farmgelände die „Singenden Felsen“ zu erreichen, bis uns ein verschlossenes Tor die Einfahrt verwehrt. Einer der wenigen Farmer, der offensichtlich mit den Touristen nichts am Hut hat.
So suchen wir uns unter einer grossen Akazie im trockenen Aukam Flusslauf einen netten Platz und feiern Silvester am romantischen Lagerfeuer. Bei Windgeschwindigkeiten um 30 kn und viel Sand in der Luft knirscht das Steak gewaltig zwischen den Zähnen – halt Wüste!

02.01.2018
Fish River Canyon

Wir befinden uns auf dem Weg gen Süden zum „Fish River Canyon“, der gerne mit dem Grand Canyon verglichen wird und die zweitwichtigste Attraktion nach dem Etosha Park in Namibia ist. An unserer Strecke liegt der wunderschöne „Canyon Roadhouse Campground“, der sich auch in den USA auf der „Route 66“ befinden könnte. Inmitten von amerikanischen alten Autos und Sammlerobjekten existiert ein liebevoll geführtes und gepflegtes Restaurant mit angeschlossenem Shop. Die Fazilitäten sind super, das lang ersehnte Internet fast unbrauchbar und der himmelblaue Pool mitten in dieser trockenen Wüste bestechend! Endlich mal ein Platz, der sein Geld wert ist!

Der Fischfluss- Canyon (nach dem Fish River benannt) ist 160 km lang, bis zu 27 km breit und 550 Meter tief. Er ist der grösste Canyon auf dem afrikanischen Kontinent und nach dem Grand Canyon der zweitgrösste der Welt. Er kann nur mit einer geführten Tour zwischen Mai und August bewandert werde. Jetzt herrschen Temperaturen über 50 Grad unten im Canyon. Von einigen Aussichtspunkten geniessen wir tolle Ausblicke in die Schluchten, wie z.B. „Hell’s Bend – die Höllenkurve.

BADEN IM ORANJE RIVER

Da uns die extreme Hitze doch zu schaffen macht, beschliessen wir, zum Oranje River weiterzufahren, um dort in das verlockende Nass zu springen. Ein schöner Übernachtungsplatz liegt auf dem Weg im trockenen „Kamchab River“, der durch imposante Schluchten führt. Aufgrund der backofenähnlichen Temperaturen ziehen wir doch den Oranje River vor.

Ein geeigneter Übernachtungsplatz mit gutem Zugang zum Fluss ist nicht so einfach zu finden, aber dank 4×4 und Sperren wühlen wir uns durch den kleinen Dünengürtel ans Ufer. Herrlich, der Sprung ins kühle und fliessende Nass!

Der „Oranje River“ bildet die natürliche Grenze zu Südafrika und ist die Lebensader für viele Menschen und Tiere in dieser kargen Umgebung. Er ist nach dem Sambesi mit 2160 km der zweitlängste Fluss im südlichen Afrika. Er entspringt im Hochland von Lesotho.
Sowohl Namibia als auch Südafrika bauen an seinem Ufer Tafeltrauben, Wein und Zitrusfrüchte an.

In der Umgebung der Plantagen haben sich Schilfhüttendörfer angesiedelt. Diese provisorischen Unterkünfte der Tagelöhner sind ohne Strom, fliessend Wasser oder sanitären Anlagen – ein krasser Gegensatz zu den pompösen Resorts im Umland. Immerhin haben so ca. 6000 teils sehr ärmliche Namibianer regelmässige Verdienstmöglichkeiten in der Erntezeit.
Im nahegelegenen kleinen Ort Aussenkehr gibt es sogar einen sehr gut sortierten „Spar“ Markt, den wir gleich ansteuern. Verpflegung zu organisieren ist für uns gerade hier in diesem einsamen Gebiet nicht so einfach, da es keine grösseren Ortschaften gibt. Zwei Stunden Autofahrt zum nächsten Dorf ist hier eher die Regel.

Endlich haben wir an diesem Fluss einen Platz gefunden, wo wir in schönster Natur zwei Tage mit Lesen, Baden und Grillen verbringen, ehe es über die Grenze nach Südafrika geht. Martin übt sich im Angeln und zieht doch schnell einige Fische heraus. Selbst der Grill kann deren moderigen Geschmack nicht überdecken, so dass sie direkt wieder ihren Kollegen zum Frass vorgesetzt werden.

07.01.2018
Einreise Südafrika

Am nächsten Morgen setzen wir mit der kleinen Pontonfähre in Sendelingsdrift von Namibia nach Südafrika über.
Lisi & Martin wollen in den Ai-Ais Richterveld Transrontier Park und wir so zügig wie möglich an die etwas kühlere Küste, um endlich mal wieder Fisch und Austern zu essen.

Zum Glück ist die Hauptreisezeit der Südafrikaner vorbei. Ab Mitte Januar fängt die Schule wieder an und die offroad- und reisefreudigen Touristenströme sind vorrüber. So brauchen wir nichts mehr vorzubuchen, die Campingplätze werden langsam billiger und alle Beteiligten atmen erleichtert auf, bis zu Ostern. Dann schwappt die nächste Reisewelle von den Grossstädten Südafrikas übers Land nach Namibia.

PORT NOLLOTH UND DIE BLUTDIAMANTEN

In Port Nolloth an der Atlantikküste werden wir sofort von fliegenden Händlern mit Langusten versorgt – super lecker und frisch! Das örtliche kleine Museum wird von einem ehemaligen Berufstaucher der Navy und späteren Diamantentaucher betrieben. So erfahren wir aus direkter Quelle interessante Details um die weltweit begehrtesten und reinsten Diamanten, die an dieser Küste „geerntet“ werden.

Grösstenteils werden sie mit Tauchschiffen aus dem Meer geholt. Dabei delegieren Taucher die grossen an Bord befindlichen Absauganlagen (wie übergrosse Staubsauger) am Meeresgrund, um die Kiesel abzusaugen. Ab und an kommt es zu tragischen Todesfällen, bei denen der riesige Rüssel auch mal einen Taucher auf dem Gewissen hat. Durch Rüttelgitter wird später das Kieselgemisch gesiebt, bis die schwersten Steine übrigbleiben, die Gems! Zur Zeit stehen immer noch 300 Taucher in Lohn und Brot. Der grösste und reinste Diamant belief sich an dieser Küste vor nicht allzulanger Zeit auf 2000 Karat!

Damit verbunden ist natürlich auch ein reger Schwarzhandel mit den sogenannten „Blutdiamanten“ – nicht offiziell registrierten Diamanten, die illegal in den Handel kommen. Port Nolloth lebt zum Teil gut davon, was den Ort geheimnisvoll und mystisch erscheinen lässt. Uns gefällt es dort!

Unsere Entscheidung, trotz der extremen Trockenheit den „Augrabies Waterfalls N.P.“ zu besuchen, lohnt sich. Hier hat der Oranje River eine beeindruckende Schlucht tief ins Gestein gegraben, in der das Wasser 60 mtr. in die Tiefe stürzt. Im Spätsommer nach der Regenzeit ist er mit Sicherheit noch imposanter anzuschauen.

TESTSTRECKEN FÜR DEUTSCHE AUTOHERSTELLER

Auf dem Parkplatz des Nationalparks begegnen wir auf einmal einer Gruppe von Porsche Cayenne – alle mit deutschen Nummernschilder ausgestatttet – wenig später diverse Maseratis und Alfa Romeos. Sie sehen zum teil sehr ondoliert aus, Spuren von hartem Offroadgeländefahrten. Wie sich herausstellt, werden hier Prototypen unter extremsten Bedingungen getestet. Über ruppige Wellblechpisten, die wir leider auch tagelang fahren müssen und der Kalahari Wüste mit den zur Zeit extremen Temperaturen werden die Autos wochenlang von den Werksingenieuren geprüft. Wir haben auf der grossen Traubenplantage „La Grappa Farm“ bei einem professionell organisiertem Braai die Ingenieure von VW Deutschland kennengelernt, die ebenfalls mit vollständig verkabelten Touaregs täglich auf Testfahrten unterwegs sind.

Bei Upington sticht uns ein heller futuristisch wirkender Turm ins Auge. Es handelt sich um ein spanische Energieprojekt, die Solaranlage „Khi Solar One“. Die 50 MW Anlage besteht aus 4000 GPS gesteuerten Parabolspiegeln, die punktgenau die Sonnenstrahlen auf den 205 mtr. hohen Tower bündeln. Die dort befindlichen Wasserreservoirs werden von den Strahlen erhitzt und mit dem entstehenden Dampf dann Turbinen angetrieben. Umweltfreundliche innovative Energiegewinnung!

17.01.2018
„Kgalagadi Transfrontier Park“

Unser nächstes Ziel ist der „Kgalagadi Transfrontier Park“, der im Dreiländereck Namibia, Botswana und Südafrika am südlichen Rand der Kalahari Wüste liegt. Es ist Trockenzeit und die Temperaturen sind extrem. Das Thermometer klettert auf 52 Grad – auch für uns „Warmduscher“ eine körperliche Herausforderung. Um Tiere zu beobachten, ist dieser Zeitpunkt nicht so schlecht, da sie sich an den wenigen Wasserlöchern im Morgengrauen und bei Sonnenuntergang sammeln. Das Eintrittsprozedere in einen der beliebtesten Nationalparks und die Vorbuchungen der Campingplätze ist mühsam und zeitraubend. Zum Glück sind wir jetzt „stolze“ Besitzer einer südafrikanischen „Wildcard“, die uns berechtigt, für 255 € Jahresgebühr freien Eintritt in die Nationalparks zu nutzen.Wir entscheiden uns, auf der botswanischen Seite zu campen, da hier die Plätze nicht mit elektrischen Zäunen abgegrenzt sind. So kommt richtiges „Bush-Feeling“ auf.

UNWETTER IN DER KALAHARI

Abends zieht ein unglaubliches Wetterleuchten und Gewitter auf. Es beginnt wie aus dem Nichts ein fürchterlicher Sandsturm, gleichzeitig hören wir direkt hinter unserem Auto das dunkle Grollen eines Löwen. Wir reissen ganz schnell unsere bereits sandigen Spareribs vom Grill und hechten ins sichere Auto. Dann legt der Sandsturm erst richtig los. Wir sehen kaum die Hand vor Augen. Das Auto rüttelt und schüttelt sich, so das wir sicherheitshalber unser Dach hinunterziehen. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei. Es knirscht in allen Fugen und wir gucken vorsichtig um die Ecke. Der Löwe hat sich auch irgendwo verkrümelt. Ein Schakal schnuppert dafür neugierig an unserem Grill. Am nächsten Morgen sehen wir den Löwen dann nicht weit von unserem Lager entfernt unter einem schattenspendenden Kameldornbaum liegen. Ein schönes grosses Tier, dem man lieber nicht im Dunkeln begegnen möchte!

In den drei Tagen im Park sehen wir sogar einen grossen Leoparden, den man sehr selten zu Gesicht bekommt. Über Tüpfelhyänen, weitere Löwenrudel, Straussenfamilien mit Jungen, Oryx Antilopen und viele Springböcke beobachten wir auch diverse grosse Raubvögel. Leider ist der nördliche Teil des Parks vor zwei Jahren einem Flächenbrand zum Opfer gefallen, so dass dabei viele Tiere verbrannt oder aus diesem Gebiet geflüchtet sind. Schade, aber das hat uns natürlich keiner gesagt.

Auf der Weiterreise über endlose Schotter – und Wellblechpisten stellen wir fest, dass Südafrika ein so riesiges Land ist, welches wir auf dieser Reise mit dem Auto nicht nur auf Nebenstrassen bereisen können . So geben wir mal Gas und legen einige Fahrtage ein, denn das kleine Königreich „Lesotho“ interessiert uns jetzt am Meisten.

24.01.2018
Königreich „Lesotho“

Lesotho liegt auf der Höhe von Durban und ist vollständig von südafrikanischem Territorium umgeben. Es war bis 1966 englische Kolonie und wurde danach erst unabhängig. Die beste Reisezeit ist im südafrikanischen Sommer, zwischen Oktober und April. Dann herrscht hier zwar Regenzeit, aber aufgrund der extremen Höhe über Meeresspiegel liegt ein grosser Teil Lesothos im übrigen Jahr unter Schnee begraben.

Das kleine Land mit seinen 2 Mio. Einwohnern ist durchzogen von Flüssen und tiefen Schluchten. Zwei Drittel der Fläche besteht aus schroffen Gebirgszügen. Der höchste Berg ist der Mount Ntlenyana mit 3482 mtr..
Das Haupttransportmittel ist der Esel oder das Pferd. So sind die Wege selbst für unseren Toyo teilweise grenzwertig und wir sind froh, dass wir auf die Schweizer Tom, Bea & Cic mit ihren zwei Landrovern treffen. Wir wollen unabhängig voneinander die gleiche Route fahren, so dass wir gemeinsam die nächsten Tage unsere Autos über Stock und Stein führen, im wahrsten Sinne des Wortes!

So heftig hatten wir uns das Gelände dann doch nicht vorgestellt. Durch die starken Gewitter und Regenfälle sind viele Wege kaum noch passierbar und einige Male müssen wir tief durchatmen, um unsere Autos über dicke Felsbrocken und schmale Stiege zu manövrieren. Permanent ist der Allrad und die Untersetzung angesagt! Der Blick aus dem Seitenfenster landet direkt im tiefen Abgrund. Gut, dass wir schwindelfrei sind!

Wir fahren bis hinauf in die Wolkendecke und sind froh, dass wir am ersten Abend kurz vor der Dunkelheit auf dem Gelände einer kleinen Krankenstation in „Semenanyana“ übernachten können. Dorthin wird einmal im Monat ein Team von „Ärzte ohne Grenzen“ eingeflogen, um die umliegende arme und von der Zivilisation abgeschnittene Landbevölkerung zu versorgen.

IM HOCHLAND VON LESOTHO

Wir bewegen uns immer auf 2500 bis 3200 mtr. Höhe. Fast jeden Nachmittag nimmt die Bewölkung dramatische Formationen an, die von heftigen Gewittern und Regenfällen begleitet werden. Manchmal versinken wir dann abends am Lagerplatz in knöchelhohem Matsch. In Windeseile ist mit fünf Personen die grosse 270 Grad Markise an Tom’s Auto aufgebaut. Wir sind mittlerweile ein gut eingespieltes Team und haben alle Spass an diesen Herausforderungen, die an Fahrer, Beifahrer (navigatorisch) und an das Material gestellt werden. Zum Glück sind unsere drei Autos ebenbürdig und bestens ausgerüstet, denn ein grösseres Problem ist ausserhalb der Hauptstadt Maseru nicht zu lösen.

Cic’s Geburtstag feiern wir dann am grossen Katse Stausee auf einem Übernachtungsplatz mit imposantem Panorama und ausnahmsweise gutem Wetter. Die beiden Mädels zücken sogar eine Flasche Champagner aus ihrem Landy und es wird ordentlich gegrillt! Tom legt dazu noch die romantische Filmmusik von „Chocolat“ auf – die Stimmung ist einfach grandios.

Fotos folgen!!

Über den „Mafika Lisiyn Pass“ (3200 mtr.) gelangen wir in die Hauptstadt Maseru, ein quirliger etwas chaotischer Ort. Wir haben uns vorgenommen, im bekannten und stilvollen Restaurant „Rendevous“ essen zu gehen, denn es ist das Lieblingsrestaurant des Königs. Leider bekommen wir ihn nicht zu Gesicht. Nach guter Verproviantierung (im einzigen Supermarkt des Landes) zieht es uns doch wieder in die einsamen Berge. Es geht über den „Bushman’s Pass“, den God help me Pass“ und den „Blue Mountain Pass“, die uns wieder ziemlich fordern. Wir haben das Gefühl, dass Lesotho nur aus Pässen und Schluchten besteht. Kompliment an die beiden Damen, denn sie fahren wirklich super oder heisst es jetzt“cool“!

Die Landbevölkerung sind Hirten, die ihre Viehherden (Kühe, Mohairziegen) auf Eseln oder Pferden tagelang im Hochland begleiten. Ihre Bekleidung ist meist eine selbstgewebte dicke graue Wolldecke und gesichtsbedeckende Wollmützen mit Sehschlitzen, um der Kälte in der Höhe zu trotzen. Sie sehen für uns etwas furchterregend aus, wie Ritter aus dem Mittelalter. Ihre Freude oder Neugier, auf uns zu treffen, ist sehr verhalten. Zum Teil begegnen sie uns sogar agressiv und fordernd, wenn wir ihnen einfach nichts geben.

Aus den Dörfern mit den klassischen Rundhütten aus Lehm und Gras stürzen uns Scharen von Kindern entgegen, um bettelnd unsere Autos anzuhalten. Der Ruf „Sweets“ klingt uns noch Tage später in den Ohren. Mit anderen Hilfsprogrammen wir z.B. eine Spende an ein Krankenhaus, für die wir zusammengelegt haben, beruhigen wir unser Gewissen. Wo und wie kann man am Besten dieser armen Bevölkerung helfen? Mit Sicherheit nicht mit Süssigkeiten, mit denen diese Kinder „angefixt“ wurden. So schlägt uns manchmal von den Einheimischen Unverständnis entgegen und wir sind darauf gefasst, dass ein Stein in unserer Windschutzscheibe landet. Zum Glück müssen wir diese Erfahrung nicht machen, wie so einige andere Offroadreisende vor uns.

ÜBER DEN SANI – PASS

Der atemberaubende „Sani-Pass“ im Osten Lesothos ist für jeden Offroader ein Highlight. Er liegt auf 2873 mtr. über dem Meeresspiegel und ist damit der höchste Pass in Südafrika. Auf südafrikanischer Seite führt er in die Drakensberge. Die Grenzformalitäten für die Ausreise erledigt man hoch in den Wolken auf dem Gipfel, um dann in super steilen engen Serpentinen (angeblich der drittsteilste Pass der Welt?!) auf einer Schotterpiste ins Tal hinab zu fahren. 4×4 und Untersetzung ist angesagt und die Hoffnung, dass uns keiner in den Spitzkehren entgegen kommt. Der Blick auf die Drakensberge ist beeindruckend – für uns einer der schönsten Pässe, die wir bisher gefahren sind.

31.01.2018
„Wild Coast“– Transkei

Nach diesen interessanten gemeinsamen Erlebnissen ist es für unsere Schweizer Zeit, Gas zu geben, um ihre Autos zurück nach Namibia zu bringen. Wir haben es dagegen nicht so eilig und nehmen den direkten Weg zur Küste. In einer südafrikanischen Offroadzeitschrift haben wir diverse Tracks für 4×4 Fahrzeuge gefunden, die wir zum Teil nachfahren wollen. Dafür bietet sich die „Wild Coast“ (oder auch „Transkei“ genannt) in der Region Eastern Cape südlich von Durban an, die am indischen Ozean liegt.

DIE „XHOSA“

Es ist die Heimat von Nelson Mandela und dem Volk der Xhosa, die hier noch in traditioneller afrikanischer Weise leben. Die kleinen Dörfer mit den Rundbauten sind als Kraal angelegt, der die Dorfgemeinschaft bildet. Es wird auf den kleinen Feldern der Umgebung Landwirtschaft betrieben und Kühe bzw. Ziegen gehalten. Die junge Bevölkerung sieht ihre Zukunft aber eher in den Städten wie Johannesburg oder Kapstadt. Mit dem dort verdienten Geld werden die Familien auf dem Lande dann finanziell unterstützt. In dieser armen Gegend mit ihren überlieferten alten Traditionen und Shamanismus hat der Medizinmann noch eine zentrale Bedeutung und auch der tiefe Glaube, mit den Ahnen weiterhin in Kontakt zu stehen.

Wir begegnen unglaublich freundlichen und herzlichen Menschen, campen wild und fühlen uns an dieser rauhen und zerklüfteten Küste endlich mal frei – frei von Permits, Regulierung und Sicherheitsbedenken. Die Gegend wird von reissenden und breiten Flüssen durchzogen, an deren Ufern der Bewuchs zum undurchdringlichen Dschungel wird. So ist die Fahrt oft nur durch lange Umwege über Fähren und Brücken zu meistern und wir sind froh, unser Garmingerät mit den guten „Tracks 4 Afrika“ Karten zuverlässig dabeizuhaben!

COFFEEBAY UND DER INDISCHE OZEAN

In Coffee Bay treffen wir uns noch einmal mit Martin & Lisi, die auf dem Weg nach Lesotho sind und von uns Information bekommen. Unser Campground liegt mitten im grünen Dschungel und es kommt ein bisschen Karibik Feeling auf. Das Meer rauscht wenige Meter neben uns. Die Austern & Langusten kaufen wir direkt vom Fischer – ein Traum!
…und die Preise erst Recht! Die Buchten entlang der Küste heissen Maruppa Bay, Quolera Mouth oder Kei Mouth – alles kleine Orte, die in der Angelsaison das Eldorado für Hochseefischer sind. Andere Reisende haben wir schon länger nicht mehr getroffen. Man muss schon sehr autark und gut organisiert sein, um diese noch sehr unverbrauchte und einsame Natur zu bereisen.

DIE GARDEN – ROUTE

Wir nähern uns langsam Port Elizabeth und der dort beginnenden „Garden Route“. Sie ist das Highlight jedes Südafrikatouristen, die uns aber nicht so sehr reizt. Daher planen wir, in das Landesinnere zu fahren, um dem „Touristenrummel“ zu entgehen und den für seine riesige Elefantenpopulation bekannten „Addo National Park“ zu besuchen. Wie sich herausstellt, ein absolutes Highlight. Am Nachmittag sehen wir ca. 160 Elefanten mit Jungen an Wasserlöchern – so etwas haben wir nicht erwartet und können uns nicht satt sehen!

ZWISCHEN PAVIANEN

Auf dem Weg Richtung Kapstadt befahren wir noch eine unerwartetet tolle Offroadstrecke, den „Baviaanskloof National Park“ (Pavian Schlucht). Sie verspricht, was der Name ankündigt: wir treffen auf grosse Pavianherden (auf Afrikaans „Baboons“ genannt), die aus gebührender Entfernung unser Auto scheu beobachten. Gut so, denn mit den riesigen Reisszähnen sollte man keine Bekanntschaft machen.
Der Park führt über vier atemberaubende Pässe, die zum Teil einspurig an der Kante der tiefen Schluchten vorbeiführen. Wehe, wenn uns hier ein Fahrzeug entgegenkommt. Umdrehen können wir nicht mehr. Schwindelerregende Ausweichmöglichkeiten gibt es wenige und die Anspannung weicht nach jeder Kurve einem erleichterten hörbaren Aufatmen! Eins kam uns natürlich entgegen, aber 3 m/m sind ja auch ein Mass! Etwas Glück braucht man auf dieser Strecke schon. Warum man diese diese 200 km nicht als „One Way“ deklariert, ist uns schleierhaft.

13.02.2018
„Cap L’Agulhas“ – Kapstadt

Unser nächstes Ziel, als Segler ein Muss, ist der südlichste Punkt Südafrikas, das „Cap L’Agulhas“. Auf dem Weg dorthin lauert allerdings eine unschöne Überraschung. Beim Übersetzen mit einer kleinen von Menschen betriebenen Seilfähre im kleinen Dorf Malgas springt unser Toyota plötzlich nicht mehr an. Keinen Pieper sagt er mehr und die gesamte Bordelektrik ist tot. Zum Glück stehen wir an der Dorfkirche und wollen hier sowieso übernachten. Schnell ist das Übel gefunden – der Hauptschalter aus dem Marinebereich ist defekt. Vor 2 Jahren hatten wir schon einmal dieses Problem, so dass wir in zweistündiger Schrauberei den neuen Schalter ( hatten wir prophylaktisch dabei!)anbringen. Alles läuft wieder!

„Cap L’Agulhas“ erwartet uns sturmumtost und ein geplantes Übernachten am Strand direkt am Kap kommt gar nicht in Frage. Der Blick vom Leuchtturm und der Besuch im angrenzenden Museum sind beeindruckend. Die am Tag vorher vorbereitete Kürbissuppe kommt gut, denn an Grillen und draussen Kochen ist nicht zu denken. Einladend wirkt dieser Ort wirklich nicht, in dem nur einige hartgesottene Künstler und Einheimische vom Tourismus und der kurzen Angelsaison leben.

DER BERÜHMTE „CHAPMANS PEAK DRIVE“

Eine Tagesetappe entfernt liegt Kapstadt, wo wir uns eine Stautasche für das Armaturenbrett haben anfertigen lassen. Wir haben sie für unseren Linkslenker (in Afrika gibt es nur Rechtslenker) Toyota extra übers Internet bestellt. Nach einigem Fragen finden wir mit dem Navi die Fa. „Escape Gear“ (super) in einem hoch gesicherten Industriepark – tatsächlich liegt die Tasche bereit. Nach einigen kleinen Änderungen, die gleich vor Ort umgenäht werden, stürzen wir uns in den Verkehr. Wir geraten in den zähfliessenden Feierabendverkehr Richtung Constantia und beschliessen , ausserhalb der Stadt zu übernachten. Über den berühmten „Chapmans Peak Drive“, einer 9 km langen und angeblich schönsten Küstenstrasse der Welt, erreichen wir im Abendlicht eine Farm, die als Campground ausgewiesen ist. Weit ab von den beklemmenden kilometerlangen „Townships“, die Kapstadt umgeben und der hohen Kriminalität fühlen wir uns hier in Noordhoek sicher.

tolle Lodge

Auf der erfolgreichen, aber mühsamen Suche nach einem neuen Hauptschalter in den Marineläden Kapstadts, massiven Staus und 100 km Stadtverkehr sind wir die Grossstadt schnell leid. Hinzu fühlen wir uns ohne eine gültige Autoversicherung nicht sehr wohl inmitten der aggressiven Fahrer. Auffällig ist die grosse Zahl der Autos mit eingeschlagenen Scheiben, was uns darin bestärkt, diese Stadt zügig zu verlassen. Schade, denn wir hätten sie uns gerne genauer angeschaut. Da am Wochenende eine grosse Offroadmesse in Malmesbury angesagt ist, sind wir neugierig und machen uns direkt auf den Weg dorthin – eine Stunde entfernt von Kapstadt. Wie sich herausstellt, ist es mehr eine Eventmesse mit Schwerpunkt „Braai“ – alles für und zum Grillen. Naja, Lokalkolorit!

Wir müssen jetzt zügig unsere Rückreise nach Namibia antreten, da wir das Auto in Windhoek unterstellen wollen und unseren Flug gebucht haben. Trotzdem nehmen wir uns Zeit, die Cederberge zu bereisen, wo wir den weltbekannten Rooibostee testen. Hier ist das einzige Gebiet der Welt, wo die Pflanze gedeiht und verarbeitet wird.

WASSERNOTSTAND!!

Die Trockenheit verfolgt uns durch ganz Südafrika, so dass auch hier in den fruchtbaren Tälern um den Clanwilliam Dam die Farmer nervös werden. Mangos, Aprikosen und Weintrauben sind früher als gewöhnlich reif. Manche Campingplätze sind mangels Wasser geschlossen und ein riesiger Waldbrand hat am Rande der Cederberge viele Plantagen verwüstet. Der Clanwilliam Dam hat nur noch Kapazität von 18%, also fast fast kein Wasser mehr. Notstand!
Die von uns besuchte Weinkellerei in Lutzville hat durch die Trockenheit Ernteeinbussen von 30%.

Weinprobe in Lutzville

Alle hoffen auf die herannahende Regenzeit!

EINSAME SANDPISTEN

An der jetzt folgenden Atlantikküste gibt es noch lange, weite einsame Sandstrände und -pisten, auf denen wir bis fast an die namibische Grenze gelangen. Über Tage treffen wir keine Menschenseele. Wir stecken im Tiefsand fest, so dass die Sandbleche zum Einsatz kommen und campen direkt am Meer. Ein Traum, den Sonnenuntergang über dem Meer am allabendlichen Lagerfeuer zu beobachten! Auf der mehrtägigen Küstentour kommen wir an Schiffswracks vorbei, deren Überreste hoch auf den Felsen von hunderten Kormoranen bevölkert werden. Eine Seelöwenkolonie lässt sich von uns nicht stören – hier ist die Natur allein mit sich selbst zufrieden.

So lachen uns Miesmuscheln an, die Bente in der Brandung frisch von den Felsen erntet, um abends klassisch eine Muschelsuppe mit Weisswein zuzubereiten.

MUSCHELVERGIFTUNG – GLÜCK IM UNGLÜCK

Nachts wachen wir beide mit einem tauben Gefühl im Gesicht, den Händen und Beinen auf. Es hat uns beide erwischt. Beunruhigt weitab jeder Zivilsation überlegen wir uns einen Notplan. Wenn es schlimmer wird, müssen wir ins nächste Dorf. Die Symptome sind die einer klassischen Muschelvergiftung. Wir überstehen mühsam die Nacht und erfahren am nächsten Tag von einem Einheimischen, dass die Muscheln mangels Sauerstoff im Wasser zur Zeit so mit jodhaltigem Plankton angereichert sind, dass sie für den Menschen im Moment ungeniessbar sind. Uns geht es langsam besser. Also haben wir noch mal Glück gehabt, denn die Vergiftung endet nicht selten tödlich. Nach 3 Tagen machen wir uns noch leicht geschwächt auf die Weiterreise durch den „Namaqua Coastal N.P.“ . Der Stopp in Port Nolloth ist obligatorisch, da wir noch einmal zum Abschied satt Langusten essen wollen, bevor wir nach Namibia einreisen.

27.02.2018
Namibia – Tirasberge – „Spreetshoogte Pass“ – Windhoek

Durch Namibia wählen wir Nebenstrecken, die wir noch nicht kennen. So sind die Tirasberge beeindruckend, der steile „Spreetshoogte Pass“ imposant und der Abschiedsabend auf „unserem“ freien Panoramastellplatz hoch oben auf dem „Gamsberg Pass“ ein letzter Grillabend in der grandiosen Natur Namibias.

In Windhoek steht organisatorisch Einiges auf unserem Programm:

nach 15.908 km braucht unser treuer Toyo einen umfassenden Service. Zwischendurch war zwar immer Mal ein Ölwechsel angesagt, aber hier sind die Möglichkeiten perfekt. Die Werkstätten kennen unser Modell in- und auswendig und die Teile sind billig! So bekommt er auch gleich komplett neue Bremsen. Wir lassen in einer Polsterei unsere Sitze überarbeiten und kleine Näharbeiten ausführen.

Auf der von uns vorgebuchten „Trans Kalahari Inn“ steht dann für uns nur noch Putzen, Räumen und Polieren an. Dort soll das Auto sicher in einer Halle untergebracht werden. Von der Managerin Hilde und der rechten Hand Andre werden wir kräftig unterstützt. Das Ambiente des sehr geschmackvollen Hotels und Restaurants ist sehr schön und beim allabendlichen Sundowner geniessen wir den Blick in die weite Ebene abseits von Windhoek.

Der hauseigene Shuttleservice bringt uns zum Flughafen, wo wir in den wöchentlichen Direktflug Windhoek – Köln/ Bonn steigen! Perfekt!

Eindrücke dieser Reise:
Tolle Natur
Viele Tiere, die wir vorher nur aus dem Zoo kannten
Die Unwörter der Tour: Permit, Fence & Reservation
viele ernste Menschen mit ernsten Problemen – Apartheid!
drohende Enteignungen der weissen Farmer sowohl in Namibia als auch in Südafrika (Simbabwe als Vorbild?)
Rassismus in unverminderter Form – trotz Mandela und schwarzer Regierung seit 24 Jahren
Brutalste Kriminalität

Fazit dieser Reise:
Bisher ist es nicht das Afrika, was wir erwartet haben
Europäisch gepägt, deutscher als Deutsch
Regelmentierter als Europa

Auf der nächsten Reise ist das eigentliche Schwarz- Afrika (Sambia, Simbabwe,Mosambik,Tansania…) auf unserem Plan. Dann schauen wir mal, wie lange wir in Afrika weiterfahren werden und hoffen auf freundlichen Menschen und gute Erfahrungen!!

Zum Schluss:
Ich habe die Festplatte mit den Reisefotos so gut im Toyota versteckt, dass ich sie leider vergessen habe, mitzunehmen! Daher ist die Fotoauswahl etwas eingeschränkt und es fehlen natürlich eine Menge Fotos der ersten Wochen, da sie in der geklauten Kamera waren. Ich hoffe, ihr habt trotzdem Spass beim Lesen und Anschauen!